Der vierte Band

Der vierte Band ist Ende Oktober 2012 beim Novum Verlag erschienen.

frontcover 4

 

Expose Band 4

 

Auf der Kanareninsel La Palma trifft Wolf auf den Fischer Perez, der ihm mit

einem Fernrohr die geheimnisvolle Insel „San Borondon“, welche in einer fernen

Vergangenheit existiert, zeigt. Zur Wintersonnenwende gründen Linda und Wolf mit ihren vier Freunden den „Ring der Isais“. Während draußen der Schneesturm tobt, erhalten alle im Rahmen eines Rituales, an dem auch Tino in Australien per

Skype teilnimmt, Goldringe mit dem Isais Zeichen und einem schwarzen Diamanten.

Wolf unternimmt mit den beiden Polizisten Herbert und Elisabeth eine Reise nach Ägypten, wobei ihnen sein Freund Franz, der Manager vom Sheraton Hotel in El

Gouna, den Archäologen Dr. Khaled vorstellt. Von diesem erhalten sie interessante Informationen über ein Zeitphänomen bei den Pyramiden von Gizeh. Anlässlich eines Besuches in Luxor treffen sie den Grabräuber Rassul, der ihnen Kopien von wunderschönen Texten aus der Zeit der Pharaonin Hatschepsut gibt. Nach einer abenteuerlichen Fahrt zeigt Wolf den beiden das Tal der Hieroglyphen. Der Illuminat Becker klärt Wolf über die Aktivierung des Untersberges auf, zu der auch die weibliche Komponente benötigt wird. Vom General in der Station im Berg werden Wolf und Linda eingeladen, eine Basis in der Vergangenheit zu besuchen. Der kurze Ausflug bringt die zwei nach Atlantis. Ein alter Jude, den Wolf in New York trifft, erzählt ihm von seiner Deportation aus Rumänien und der anschließenden Flucht aus einem Eisenbahnzug in Salzburg. Von Friedl, dem Wirt der Kugelmühle erfahren Wolf und Linda von einem schweren Unglück in der Almbachklamm. Er erzählt ihnen auch die Geschichte von einer verschwunden, jungen Frau am Untersberg, die in den fünfziger Jahren zwölf Tage lang verschollen war und dann wohlbehalten wieder aufgefunden wurde. Mit Claudia, einer jungen Frau aus dem Ring der Isais, fliegt Wolf

mit einer kleinen Cessna nach Venedig, wo sie auf der Insel Murano am Boden einer Basilika die steinerne Abbildung einer Insel finden. Eine schwarzhaarige Dame, welche sich Julia nennt, gibt ihnen Hinweise dazu und verschwindet plötzlich. Wolf landet auf dieser Insel und sie entdecken dort einen Kristall, der vom „Ordo Bucintoro“ versteckt wurde. Wolf und Linda gelangen in ein unterirdisches Labor aus dem dritten Reich, in dem das geheimnisvolle Xerum 525 hergestellt wurde. Mit

Obersturmbannführer Weber bringen sie eine Stahlflasche davon dem General.

Weber flutet im Anschluss das Labyrinth neben dem Gebirgsbach am Obersalzberg.

Claudia sieht bei ihrer Suche am Fuße der alten Römer – Steinbrüche ein großes Tor im Fels, das sich wie von Geisterhand öffnet und auch wieder schließt. Mit

Herbert dem Polizisten erkundet Wolf nochmals das unterirdische Kreuzgewölbe N2 und kurze Zeit später gelingt es ihm, aus N3, dem Versammlungsraum der Generäle, einen großen schwarzen Turmalinkristall mit zwei Enden, sowie einer Kugel aus demselben Stein zu bergen. Wolf und Linda lesen in dem gefundenen Manuskript des verstorbenen Autors, dass dieser eine Höhle am Untersberg entdeckt hat, durch welche er direkt in die unterirdische Kammer der Cheops Pyramide gelangt war. Vom General erfahren sie, dass diesem Autor vor vielen Jahren ein Besuch der Basen in der Vergangenheit gestattet wurde. Schlussendlich machen sich Wolf und Claudia auf den Weg, die Kraft im Untersberg zu aktivieren. Mit Hilfe eines alten Gedichtes, von Becker dem Illuminaten, finden sie den Weg zum Eingang, der überaschenderweise

dort liegt, wo ihn niemand vermutet hatte. Sie finden die Magna Figura, benützen den Kristall von der Insel und gelangen schließlich in eine riesige, kuppelförmige Halle im Berg, in der sie den Mechanismus auslösen, der das goldene Zeitalter einläuten soll. Sie berühren die Goldene Kugel im Untersberg.

 

 

Leseprobe

Kapitel 20

Die doppelte Unsterblichkeit

Soviel sich die beiden in der Kirche auch umsahen, die schwarze Dame blieb verschwunden, als wäre sie vom Erdboden verschluckt worden. Sie machten sich also wieder auf den Weg zurück zur Anlegestelle. Es war bereits Mittag und brütende Hitze lag über der Lagune. „Für einen Restaurantbesuch haben wir jetzt keine Zeit“, sagte Wolf zu Claudia, „ich kaufe uns ein paar Müsli Riegel dort vorne bei dem Kiosk, mit denen können wir es bis zum Abendessen aushalten.“ „Was hast du vor?“, fragte Claudia, „wo wollen wir denn heute noch hin?“ „Nach Unije, denn so heißt die Insel, welche auf der Steinplatte abgebildet war“, antwortete Wolf, „und die liegt in Kroatien. In einer Stunde können wir mit dem Flugzeug dort sein. Ich muss nur vorher einen Flugplan aufgeben.“ „Kroatien?“ , fragte Claudia erstaunt, „das ist ja weit übers Meer!“ Nur einhundert Kilometer, das ist für die Cessna ein Katzensprung“, erwiderte Wolf, mit gespielter Gelassenheit. Innerlich war er jedoch bereits voller Unruhe. Er war gespannt, ob sie in Unije etwas finden würden. Das Vaporetto brachte sie wieder hinüber zum Lido nach San Nicolo, wie der kleine Sportflugplatz von Venedig genannt wurde. Rasch wurde in dem kleinen Büro neben der Rollbahn der Flugplan aufgegeben. Die Route sollte ziemlich genau einhundert Kilometer direkt über das Meer nach Vrsar, einer kleinen Stadt an der kroatischen Küste führen. Dort wollte Wolf die Zollformalitäten erledigen und danach sofort weiterfliegen zur kleinen Insel Unije. Sie starteten am frühen Nachmittag und erreichten schon nach einer halben Stunde Flug den Landeplatz von Vrsar. Als auf Wolfs Funksprüche dort niemand antwortete, setzte er eine Blindmeldung ab, mit welcher er seine unmittelbar bevorstehende Landung ankündigte. Die asphaltierte Piste in Vrsar hatte eine Besonderheit. Sie war bombiert und hatte zusätzlich ein Gefälle von etwa zwölf Meter, was bedeutete, dass man das jeweils andere Ende der Landebahn nicht sehen konnte. Wolf setzte die Cessna sauber im ersten Viertel der Rollbahn auf, als er plötzlich am Funk hörte, dass eine größere Maschine Starterlaubnis bekam. Im nächsten Moment sah er auch schon ein zweimotoriges Flugzeug vom anderen Ende der Piste auf sich zukommen, welches gerade in Gegenrichtung startete. Wolf hatte bereits stark abgebremst und es war daher für ihn nicht schwierig, der entgegenkommenden Maschine, die gerade abhob, auszuweichen. Claudia hingegen, war zu Tode erschrocken, als sie so plötzlich ein größeres Flugzeug vor sich auftauchen sah. Nachdem die Passkontrolle auch hier erledigt war, starteten die beiden mit der Cessna in Richtung Unije. Von der Flugaufsicht in Pula erhielten sie die Genehmigung, die kleine Insel direkt anfliegen zu dürfen. „In spätestens zwanzig Minuten sind wir drüben“, meinte Wolf zu Claudia, welche die Aussicht auf die herrliche Küstenlandschaft offenbar zu genießen schien. Dann kam die Insel in Sicht. Wolf schaltete auf die Frequenz von Unije um und wartete, dass sich Drago melden würde. Der Bäckermeister Drago, welcher auf der kleinen Insel auch zugleich die Flugaufsicht darstellte, meldete sich am Funk und sagte zu Wolf: „Landung nach eigenem Ermessen, Wind geht keiner, aber pass auf die Schafe auf!“

Claudia fragte: „Was soll das heißen „pass auf die Schafe auf“?“ „Na, das wird eben so ein Scherz von Drago sein“, meinte Wolf, der den Bäckermeister vor früher her gut kannte und begann seinen Landeanflug. Sie flogen in geringer Höhe über das Meer und Wolf setzte die Cessna gleich zu Beginn der Graspiste auf. Er hatte offenbar vergessen, dass es nach etwa einhundert Meter eine große Bodenwelle, die fast schon einem kleinen Hügel glich, gab. Es kam, wie es kommen musste, die Cessna wurde beim Erreichen der Welle nach oben katapultiert und befand sich plötzlich wieder in drei Metern Höhe über dem Boden, um erneut zu landen. In diesem Moment sahen die beiden aber hunderte Schafe vor ihnen auf der Graspiste. Claudia, welcher der Zwischenfall in Vrsar noch in den Knochen saß, riss die Augen auf und schrie „Um Gottes Willen! Da sind ja wirklich Schafe! Das war doch kein Scherz von Drago!“ Wolf zuckte mit den Achseln: „Ja, du hast Recht, aber irgendwie geht sich das schon aus!“ Zum Durchstarten war es schon zu spät, denn Wolf hatte das Flugzeug bereits stark abgebremst. Jetzt war nur zu hoffen, dass die Schafe rechtzeitig die Piste verlassen würden. „Wenn die nicht gleich verschwinden, dann gibt es heute Abend Schafsbraten“, lachte Wolf, welcher aber genau wusste, dass hier noch nie ein Schaf überfahren wurde. Die Tiere sprangen wild durcheinander, aber schafften es trotzdem mühelos, sich vor dem heranrollenden Flugzeug in Sicherheit zu bringen. Wolf brachte das Flugzeug in Parkposition und sicherte die Cessna mit Seilen, die im Boden verankert waren. Dann rief er Drago am Handy an: „Hast Recht gehabt, mit den Schafen! Aber jetzt sei bitte so lieb und hole unser Gepäck ab.“ Claudia fragte: „Wie soll der Drago hier unsere Taschen abholen, da gibt ja wirklich keine Strassen und Autos habe ich hier auch keine gesehen?“ „Drago hat auch kein Auto, der kommt mit seinem Moped“, antwortete Wolf, „da bringt er locker unsere vier Taschen drauf, denn bis ins Dorf schleppen möchte ich die heute bei dieser Hitze nicht.“ Er wischte sich den Schweiß von der Stirne. Hier auf dem Flugfeld hatte es, obwohl es bereits nach fünfzehn Uhr war, eine Temperatur von über vierzig Grad im Schatten. Wolfs australischer Akubra Hut, der ihm auch auf seinen Ägypten Reisen vor der Sonne schützte, leistete auch hier auf Unije gute Dienste. Drago kam nach geraumer Zeit zum Flugplatz und hatte eine Überraschung für die beiden. Ein Appartement mit Air Condition, eine absolute Rarität auf der Insel, aber bei dieser Temperatur eine vorzügliche Idee. „Für zwei Nächte, können wir uns das schon leisten“, schmunzelte Wolf, dem der Preis, den ihm Drago nannte, doch ein wenig hoch vorkam. Die Insel glich einem Paradies. Während sich an den Stränden, welche mit dem Auto erreichbar waren, die Touristen nur so tummelten und ein Hotel nach dem anderen stand, gab es hier auf Unije nur zwei Gaststätten und ein ganz kleines Lebensmittelgeschäft. Einige Boote lagen in der Nähe vor Anker. Der Strand war sauber und das Wasser kristallklar. „Das Wichtigste ist für mich jetzt ein kühles Bier“, sagte Wolf und Claudia antwortete: „Ich werde mir gleich den Bikini anziehen. Ich will sofort ins Meer!“

Als sie dann an Abend beim Sonnenuntergang auf der Terrasse der kleinen Gaststätte saßen, zeichnete Wolf einen groben Plan der Insel auf die Serviette und zeigte Claudia darauf die Stelle, an welcher sich die Steinmauer mit dem Ouroboros Zeichen befinden musste. „Morgen Vormittag, wenn es noch halbwegs kühl ist, dann werden wir dorthin gehen. Julia, die schwarze Dame, hat uns ja erklärt, wo wir nachsehen müssen.“ Am nächsten Morgen machten sich die beiden auf den Weg. Es war nicht weit und schon bald erreichten sie die andere Seite der Insel. „Hier sollte ein Weg zum Meer runter führen“, meinte Wolf und suchte auf der rechten Seite nach einem Pfad, welcher zwischen den Büschen zu sehen sein sollte. Claudia lief vor und sagte: „Von unten kann man das alles besser sehen.“ Tatsächlich entdeckte sie unweit der Felsküste eine massive, alte Steinmauer, deren Zweck nicht klar ersichtlich war. Die Mauer zog sich nur ein Stück landeinwärts, ohne irgend Etwas zu begrenzen. Sie stand einfach so in der Landschaft. Jetzt war auch Wolf unten bei Claudia angelangt. Gemeinsam suchten Sie die alte Steinmauer Meter für Meter ab. Manchmal versperrte ihnen ein dornenbewehrtes Gestrüpp den Weg. Claudia ging rechts und Wolf auf der linken Seite der Mauer. Es dauerte doch eine geraume Zeit, bis sie den Stein mit der Schlange fanden. Er befand sich ganz unten an einem Felsen. Dieses ringförmige Zeichen war in sehr vielen alten Kulturen zu finden. Angefangen vom alten Ägypten über das antike Griechenland und den Kelten. Überall konnte man den „Ouroboros“ sehen. „Schau, diese Mauer ist eine sogenannte „Trockenmauer“, das heißt, die Steine wurden nur passend aufeinandergelegt und überdauerten so die Jahrhunderte.“ „Was willst du damit sagen?“, fragte Claudia. „Dass es sich hier um eine ziemlich alte Mauer handeln muss. Unije war ja sogar schon in der Bronzezeit besiedelt, wie mir Drago erzählt hatte. Später waren die Römer hier, wie zahlreiche Ruinen auch heute noch bezeugen und schließlich kam die Insel dann unter die Kontrolle der Venezianer. Schwer zu sagen, aus welcher Epoche dieses Symbol stammen könnte. Wenn diese Julia Recht hat, dann könnte es die Zeit der Dogen sein, also der Herrschaft Venedigs. Ja,aber diese Dogen gab es schon seit über eintausend Jahren. Soviel ich weiß, wurde Venedig vom letzten Dogen am Ende des achtzehnten Jahrhunderts an Napoleon übergeben. Du kannst es dir also aussuchen, auf welche Zeit wir diesen Stein datieren wollen.“ Claudia schüttelte den Kopf und sagte: „Der Fremde, mit dem du dich beim alten Gasthof getroffen hast, hatte doch von den Herren vom Schwarzen Stein und den Templern gesprochen. Er hat dir doch den Rat gegeben, in Venedig auf der Insel Murano weiterzusuchen. Also könnte dieses Symbol auch etwas mit den Schwarzen Steinen und den Templern zu tun haben, was glaubst du?“ „Das wäre einleuchtend“, erwiderte Wolf, „es würde mich aber auch interessieren, wie diese Julia damit zusammenhängt. Das war doch kein Zufall, dass die genau zur selben Zeit wie wir in die Kirche gekommen ist. Erst gibt sie uns einen Hinweis zu dieser Insel und dem Symbol, dann verschwindet sie urplötzlich, als hätte sie der Erdboden verschluckt. Das ist doch alles sehr mysteriös, meinst du nicht?“ Wolf setzte sich auf einen Felsen und meinte:„Schade dass ich meinen Metalldetektor nicht dabei habe. Mich erinnert die Situation nämlich an meine Suche mit Linda in der Ruine der alten Komturei neben dem Untersberg. Da sind wir auch vor so einer Steinmauer gestanden und ich habe damals den Templerring und die beiden Amulette gefunden.“ „Und jetzt denkst du, wir könnten hier ebenfalls etwas finden?“ lachte Claudia, hielt aber gleich wieder inne und sagte: „Warte einmal, diese Mauer besteht ja nur aus übereinander geschichteten Steinen. Wir tragen ein paar Steine ab, dann sehen wir recht schnell, ob da drinnen etwas verborgen ist.“

Sie begann sofort mit der Arbeit und beim dritten Stein, den sie herunterhob, stieß sie einen Schrei aus und ließ ihn fallen. Eine große Eidechse war zwischen den Blöcken herausgeschossen und hatte ihr ordentlich Angst eingejagt. Wolf musste jetzt lachen. „Warte ich helfe dir, zu zweit geht es leichter.“ Als die beiden schließlich die meterhohe Steinmauer an einer kleinen Stelle zur Hälfte abgetragen hatten und nichts zum Vorschein kam, gaben sie auf. Das Symbol mit der Schlange, welche sich in den Schwanz beißt wurde fotografiert und die GPS Daten für ein späteres Wiederfinden gespeichert. „Was hast du da eigentlich zu finden gehofft?“, fragte ihn Claudia beim Rückweg. „Eigentlich weiß ich es selber nicht“, war Wolfs Antwort, „ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, was da in dieser offenen Mauer die Jahrhunderte überdauert haben könnte. Da rinnt doch überall das Wasser vom Regen hindurch und im Sommer werden diese Steine zudem recht heiß. Das ist sicher keine gute Idee für ein Versteck. Am Untersberg in der Templer Ruine da waren die Sachen eingemauert und blieben daher etwas geschützt. Damals habe ich Hammer und Meißel gebraucht, um an das geheime Versteck zu gelangen. Doch auch dort waren die Holzkassette und der Lederbeutel schon fast zerfallen.“ Sie hatten mittlerweile wieder das Dorf erreicht. Es war an einem Hang erbaut, der zum Meer abfiel. Auf Unije sah es aus, als wäre die Zeit auf dieser einsamen Insel stehen geblieben. Kein Motorenlärm von irgendwelchen Fahrzeugen war zu hören. Lautlos kreisten einige Möven über ihnen. Das Zirpen der Grillen und manchmal auch das zarte Brummen einer Biene waren die einzigen Geräusche hier oben. Ganz klein konnten sie von dem Hügel aus ihre abgestellte Cessna auf der Wiese sehen. Gegenüber standen jetzt noch drei weitere Kleinflugzeuge. Diese mussten schon früh am Morgen angekommen sein. „Wenn dort in der Mauer etwas versteckt worden ist, dann könnte es sich dabei nur um ein Ding handeln, dem weder Feuchtigkeit, noch Hitze etwas ausmachen würde“, schlussfolgerte Claudia. „Das müsste dann heissen, dass es nur aus Edelmetall oder aus Stein bestehen dürfte“, überlegte Wolf. „Dann könnte es sich ja auch um einen Kristall handeln“, erwiderte Claudia. „Das werden wir morgen, bevor wir zurückfliegen nochmals nachprüfen“, meinte Wolf, „aber jetzt gehen wir erst einmal ins Wasser. Schließlich möchte ich ja auch wieder einmal im Meer baden.“ Damit machte er der jungen Frau die größte Freude, denn im Meer zu schwimmen, das mochte Claudia besonders gerne. Später, als die Sonne über dem Meer untergegangen war und die beiden in der Gaststätte zum Abendessen saßen, meldete Wolfs Handy eine Kurznachricht: „OE-DID auf Unije gesichtet. OE-CMC - stehen genau gegenüber. Wo bist du? Gruß Walter.“ Wolf war überrascht: „Da ist einer von Salzburg hierher geflogen. Die OE-CMC ist ein kleines zweisitziges Flugzeug von unserem Club und Walter, das müsste der Fluglehrer sein.“

Er schrieb ihm zurück, dass sie im Gasthaus auf der Terrasse sitzen würden und schon nach einer Minute kam Walter zu ihnen um sie zu begrüßen. Er saß nur zehn Meter weiter am anderen Ende der Terrasse. Sie setzten sich zusammen und ließen sich jeder einen köstlichen Fisch schmecken. Wein wollte Wolf heute keinen mehr trinken, denn am nächsten Vormittag sollte es wieder zurückgehen. Und Alkohol war ein Tabu für Piloten – zumindest, wenn sie fliegen mussten. So nahm er Vorliebe mit Apfelsaft und Mineralwasser. Sie tauschten Flugerlebnisse aus, von welchen ein jeder der beiden reichlich zu erzählen hatte und sie diskutierten über den großen Zufall sich hier getroffen zu haben. Diese Insel wurde sehr selten von Clubmitgliedern angeflogen denn nur wenige Piloten wollten über das Meer fliegen um dann auf dieser holprigen Graspiste zu landen. Die meisten Piloten bevorzugten eine betonierte Rollbahn. Walter berichtete auch noch über einen tragischen Unfall, bei welchem zehn Tage zuvor zwei Leute vom Fliegerclub in Salzburg ums Leben gekommen waren. Es handelte sich um eine zweisitzige Cessna 150. Das war jenes Flugzeug mit dem Wolf und Markus vor vielen Jahren schon diesen gefährlichen Zwischenfall über den Bergen gehabt hatten. „Ja, Fahrt ist Leben“, sagte Walter bedeutungsvoll und meinte damit, dass ein Flugzeug niemals zu langsam werden sollte, denn dann würde es einfach abkippen und runterfallen. In großer Höhe hätte man noch die Chance, den Flieger wieder abzufangen, aber in Bodennähe, wie etwa beim Landen wäre so etwas fatal. Deshalb sollte man immer genau auf seine Geschwindigkeit achten, meinte Walter, der es ja als Fluglehrer wissen musste. Es war sehr spät geworden und erst gegen ein Uhr früh verabschiedeten sie sich und gingen zu ihrem Quartieren. Beim Nach Hause gehen sagte Wolf noch zu Claudia: „Diese schwarz gekleidete Dame in der Kirche, welche sich Julia nannte, die sprach doch davon, dass es sich bei diesem Stein mit der Schlange um das Symbol der „doppelten Unsterblichkeit“ handeln sollte. Mich würde interessieren, was sie wohl damit gemeint haben könnte. Leider konnte ich sie nicht mehr danach fragen, sie war ja plötzlich weg.“ Claudia war schon müde und kaum mehr fähig sich zu konzentrieren. Sie meinte bloß: „Darüber können wir uns morgen unterhalten, jetzt möchte ich nur noch schlafen.“ Am nächsten Morgen, Wolf saß schon im Wohnzimmer des Appartements und hatte seine Flugvorbereitung bereits fertiggestellt, da kam auch Claudia herunter. Sie sah noch ganz verschlafen aus. Wolf eröffnete ihr: „Bevor wir uns zum Flugzeug aufmachen, möchte ich ganz kurz nochmals zu dieser Steinmauer gehen. Das dauert nur eine halbe Stunde. Vielleicht finde ich doch noch etwas.“

Claudia murmelte noch ein paar Worte von Morgentoilette und Haare waschen, worauf sich Wolf alleine auf den Weg machte. Die Luft war jetzt am frühen Vormittag noch nicht so heiß und die Kräuter am Wegrand strömten ihr eigentümliches, würziges Aroma aus, welches man an den Felsküsten der Adria überall finden konnte. Als er wieder zu der Steinmauer kam, konnte er schon vom Weiten die abgetragene Öffnung erkennen. Rasch hob er noch einige Lagen Steinblöcke herunter und kam zu der Stelle direkt über dem Symbol mit der Schlange. Da sah er, dass zwischen den Steinen ein Loch ausgespart war. Etwa zehn Zentimeter im Quadrat. Es war gerade groß genug, dass er mit seiner Hand hineingreifen konnte. Er wollte es schon tun, da sah er im letzten Moment eine kleine, zusammengerollte Schlange, deren Unterschlupf er zuvor geöffnet haben musste, als er die Steine weggehoben hatte. Die Schlange hatte ein Horn ganz vorne am Kopf und war bestimmt giftig. Wolf hatte das Gefühl, als würde ihn irgendetwas davon abzuhalten versuchen, dieses Geheimnis zu ergründen. Rasch verwarf er aber wieder diesen Gedanken. Er wich zurück und klopfte mit einem Stein mehrmals auf die Mauer um das Reptil zu verscheuchen, was ihm so auch gelang. Die Schlange verkroch sich zwischen den Steinen in der Mauer. Sollte er jetzt wirklich in diese Öffnung hineingreifen? Er hatte doch ein wenig Angst. Aber seine Neugier siegte schlussendlich. Er hatte trotzdem ein mulmiges Gefühl, als er mit seiner rechten Hand in das dunkle Loch griff. Würde ihn gleich eine Schlange beißen oder ein Skorpion stechen, aber der Gedanke daran währte nur einen Augenblick, dann ertastete er mit seinen Fingern einen harten Gegenstand. Er war scharfkantig. Wolf konnte ihn leicht herausziehen und dann traute er seinen Augen nicht. Es war ein Kristall, ein Bergkristall. Ein sogenannter Doppel-Ender, von welchem in der Mitte noch ein weiterer Kristall herausragte. Der Kristall war nicht sehr groß, nur zehn Zentimeter vielleicht, deshalb konnte er ihn auch in seine Hosentasche schieben. Wolf griff nochmals in die Öffnung hinein, um sicher zu gehen, ja nichts übersehen zu haben, aber da war nichts mehr. Außer diesem Bergkristall war dort nichts versteckt worden. Als er zu Claudia zurückkam, hatte sie bereits fertig gepackt. Sie saß auf der kleinen Terrasse des Appartements und war zur Abreise bereit. Er erwähnte nichts von der Schlange an der Mauer, sondern nahm seinen Fund aus der Tasche, zeigte ihn ihr und sagte: „Schau dir diesen Kristall an, der hat zwei spitze Enden und noch ein drittes rechtwinklig in der Mitte.“ „Zwei Enden – doppelte Unsterblichkeit“, antwortete sie spontan, „das hat doch die Dame in Schwarz gesagt.“ „Ich weiß nicht, ob das damit zu tun hat“, sagte Wolf und rief den Bäckermeister an, und ersuchte ihn, das Gepäck abzuholen. Eine Viertelstunde später standen sie vor der Cessna und räumten ihre Taschen, welche Drago mit seinem Moped gebracht hatte ein. Sie verabschiedeten sich von dem hilfsbereiten Kroaten und stiegen in die Cessna. Nach dem er das Flugzeug gecheckt hatte, startete Wolf den Motor, beobachtete die Instrumente. Es war alles im grünen Bereich. Dann sagte er zum Spaß ins Bordmikrophon: „Ladies and Gentlemen, your captain speaking, please close the doors and fasten your seat belts“, und dann „Cleared for takeoff 09.“ Claudia, die ebenfalls ihren Kopfhörer aufgesetzt hatte, musste lachen und Wolf schob den Gashebel nach vorne. Der Motor der Cessna heulte auf und langsam setzte sich das Flugzeug auf der doch recht holprigen Graspiste in Bewegung. Nach einigen hundert Metern hob der Flieger schließlich ab und wenige Sekunden später befanden sie sich bereits über dem Meer. Wolf checkte jetzt nochmals die Instrumente. Er erschrak. Der Fahrtmesser zeigte auf Null.

Das war nicht gut, nein, absolut nicht gut! Für einen Moment dachte er daran, wieder umzukehren, um in Unije nachsehen zu können, was da mit dem Instrument nicht in Ordnung war. Doch blitzartig fiel ihm ein, dass er auf der welligen Graspiste ja nur mit Mindestgeschwindigkeit landen könnte und ohne Fahrtmesser wäre das schlichtweg ein Himmelfahrtskommando. Er musste in dieser Situation an den tödlichen Unfall vor zehn Tagen denken. Dieser Flieger war ja wegen zu geringer Fahrt in Bodennähe abgestürzt. Auch die Worte seines Fliegerkameraden Walter von gestern Abend gingen ihm durch den Kopf, „Fahrt ist Leben“ hatte dieser zu ihm gesagt. Also setzte er etwas deprimiert seinen Flug fort. Vor Claudia ließ er sich nichts anmerken, er tat so, als wäre alles völlig normal. Für sie war es doch der allererste Flug in einem Kleinflugzeug und sie sollte es auch genießen können. Er flog mit ihr noch einige Runden über die Buchten an der Südspitze der istrischen Halbinsel, dort wo sie schon als Jugendliche mit ihren Eltern öfters den Urlaub verbracht hatte. Claudia machte viele Fotos und freute sich wie ein Kind, als sie die ihr so bekannte Gegend aus der Luft sehen konnte. Wolf musste nur zusehen, dass er immer schnell genug unterwegs war und keine zu steilen Kurven flog. Das funktionierte alles recht gut, aber die bevorstehende Landung auf dem Airport von Pula machte ihm Sorgen. Da fiel ihm plötzlich sein GPS Gerät ein, das er in der Flugtasche dabei hatte. Er ließ sich das Gerät von Claudia geben, schaltete es ein und schon nach kurzer Zeit konnte er darauf zumindest seine Geschwindigkeit über Grund ablesen. Das waren immerhin über einhundertzwanzig Knoten. Aber landen konnte man mit so einer hohen Geschwindigkeit nicht, noch dazu, wo über der Betonpiste von Pula Airport doch sicher eine Temperatur von vierzig Grad herrschen würde. Runter mussten sie aber in jedem Fall, denn der Tankinhalt würde nicht bis Salzburg reichen. Mit welcher Geschwindigkeit sollte er Pula anfliegen? Wenn das Flugzeug bei der Landung zu schnell war, würde es bei der leichtesten Bodenberührung sofort wieder abheben. Und wenn Wolf den Flieger auf der Landebahn mit dem Höhenruder nach unten drücken würde, dann wäre es möglich, dass das Bug Fahrwerk der enormen Belastung nicht standhalten würde und einknicken könnte.

Als Claudia die riesige Landbahn von Pula aus der Luft sah, meinte sie: „Super, jetzt landen wir auch hier auf dieser tollen Bahn.“ Wolf nickte mit gespielter Ruhe, bereitete sich auf den Anflug vor und ersuchte den Tower um Landefreigabe. „OE-DID, temperature 38, wind 300 degrees, 5 knots, cleared to land runway 09“ kam als Bestätigung aus dem Kopfhörer. Die Runway war fast drei Kilometer lang und Wolf reduzierte seine Geschwindigkeit bis auf neunzig Knoten laut der Anzeige auf seinem GPS Gerät. Ganz sachte flog er immer tiefer, bis die Räder der Cessna den Boden berührten. Es kam so, wie er erwartet hatte, die Maschine hob sofort wieder ab, um nach weiteren einhundert Metern wieder die Landebahn zu berühren und danach abermals aufzusteigen. Dieser Vorgang wiederholte sich dreimal. Dann, als Wolf sah, dass die Höhe nur mehr einen Meter betrug ließ er die Landklappen voll ausfahren, womit er dann rasch die richtige Geschwindigkeit erreichte, bei welcher das Flugzeug schließlich am Boden blieb. Claudia klatschte: „Das war eine butterweiche Landung, viel sanfter als die großen Ferienflieger, mit denen ich schon geflogen bin.“ Wolf meinte nur gelassen: „Danke für das Kompliment! Ich habe mir auch Mühe gegeben.“ Sie erledigten die Zollformalitäten und ließen den Flieger auftanken. Jetzt konnte er Claudia über den Instrumentenausfall unterrichten, was diese aber nur beiläufig wahrnahm. Für sie bedeutete das nicht mehr, als wäre eine Kontrollbirne ausgefallen. Der Start verlief naturgemäß problemlos und auch die Alpenüberquerung stellte keine besondere Herausforderung an Wolf dar. „Ist es eigentlich gefährlich ohne Fahrtmesser zu fliegen?“, fragte Claudia, als sie hoch über den Gipfeln der Alpen dahinflogen. „Eigentlich nicht, würde ich sagen“, antwortete Wolf, „außer bei der Landung. Weißt du, in Bodennähe da muss man unbedingt die richtige Geschwindigkeit haben, so wie uns Walter gestern gesagt hat.

Dazu fällt mir gerade mein Prüfungsflug ein, den ich vor zwanzig Jahren, übrigens mit der vor zehn Tagen abgestürzten Cessna OE-ATV, absolviert hatte. Damals waren alle siebzehn Prüfungskandidaten und die Fluglehrer auf der Wiese neben der großen Runway in Salzburg versammelt. Auch der Prüfer von der Luftfahrtbehörde war dort anwesend, um festzustellen, wie genau die Landungen erfolgten. Wir alle mussten eine so genannte Spotlanding durchführen. Das heißt, den Motor in sechshundert Metern über dem Flugplatz auf Leerlaufdrehzahl stellen und dann das Flugzeug, ohne erneut Gas zu geben, auf einem markierten, fünfzig Meter langen Abschnitt auf der Rollbahn landen. Natürlich konnten wir das in den Wochen davor ausgiebig üben. Ich war der erste Kandidat und war deshalb ziemlich aufgeregt. Deswegen klappte meine Einteilung bei der Landung nicht optimal. Ich kam damals trotz voll ausgefahrener Landeklappen mit einer zu hohen Geschwindigkeit herunter. Die Cessna berührte dennoch genau den ausgewählten Abschnitt auf der Runway, aber es war eher ein Aufschlag, welchen das Fahrwerk dieser robusten Maschine gerade noch vertrug. Aber dieser Aufschlag katapultierte die Cessna wieder zehn bis fünfzehn Meter in die Luft hinauf, wo sie dann mit leicht nach oben geneigter Schnauze fast stehen blieb. Der Fahrtmesser zeigte keine vierzig Meilen mehr an. Bei fünfundvierzig Meilen sollte der Flieger laut Handbuch aber bereits herunterfallen. Die „Stall-Warning“, welche kurz vor dem Strömungsabriss, dem unmittelbar darauf das Abkippen folgt, ein hässliches Geräusch von sich gibt, ertönte fast gleichzeitig. Ich schob den Gashebel mit der rechten Hand rasch nach vorne und mit der Linken drückte ich blitzartig das Höhenruder, um das Flugzeug nach unten zu lenken. Ich hatte Glück, der Motor nahm das Gas an, ohne sich zu „verschlucken“ und heulte auf. Die Cessna neigte sich sofort steil mit der Schnauze nach unten und raste auf die Betonpiste zu. Die Landeklappen konnte ich nicht mehr einfahren, da ich beide Hände voll zu tun hatte. Etwa einen Meter über der Landebahn gelang es mir, die Maschine wieder in eine gerade Fluglage zu bringen. Ohne den Boden zu berühren gewann die schwere, vollgetankte Cessna trotz voll ausgefahrener Landeklappen wieder an Höhe und ich konnte einen zweiten Versuch starten, bei dem mir dann die Spotlanding auch super gelang.

Im dem Augenblick als ich das Flugzeug nach unten gedrückt hatte, rannte der Prüfer schon zur vermeintlichen Absturzstelle und Otto der alte Flugschulleiter biss seine Zigarette zwischen den Zähnen ab. Die reden heute noch über diesen Zwischenfall, der böse enden hätte können. Aber obwohl ich meine, irgendwie geht’s immer, war damals doch eine Riesenportion Glück dabei.“ Claudia war bei dieser Schilderung von Wolf ganz still geworden. Mittlerweile hatten sie den Alpenhauptkamm überflogen und würden die Kontrollzone von Salzburg in zirka fünf Minuten erreichen. Nachdem Wolf die Wetterdaten vom Airport in Salzburg per Funk eingeholt hatte, meldete er sich auf der Tower Frequenz und bekam die Landfreigabe in Form eines „straight in approaches“. Das hieß, sie konnten in gerader Linie direkt auf die Landebahn zufliegen. Die Landung in Salzburg verlief ebenso, wie in Pula und Wolf informierte anschließend noch den Flugzeugwart über den Ausfall des Fahrtmessers, der daraufhin die Cessna sofort für weitere Flüge sperren ließ. Es sollte sich später herausstellen, dass das Pitotrohr, welches für die Fahrtmessung zuständig ist, durch etwas recht Hartes verstopft worden war. Ein Insekt von beachtlicher Größe, welches schon beim Start in die winzige Öffnung gesaugt worden war und dessen Rückstände sich dann verhärteten. So etwas hatte der Flugzeugwart noch nicht erlebt. Das war so selten wie ein Lotto Sechser. Das Pitotrohr musste zerlegt werden. Als die beiden dann anschließend in einem Gastgarten einen Apfelsaft tranken, nahm Wolf den Kristall nochmals heraus und sie überlegten, was er wohl zu bedeuten hatte. „Ich werde Becker fragen, was es damit für eine Bewandtnis hat“, sagte er zu Claudia.

 

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