Der fünfte Band

Der fünfte Band wurde im Oktober 2013 veröffentlicht.

Buch 9783990382936 front

 

Leseprobe

Kapitel 4

Die Gedenkstätte

Es war herrliches Frühsommer Wetter, als sich die Freunde des Isais Ringes auf den Weg in den südlichsten Teil des Bundeslandes Salzburg, in den Lungau machten. Auch diesmal war Linda nicht mit von der Partie. Als erste Station kam nach einer Stunde Fahrtzeit über das Gebirge die Burg Mauterndorf, das einstige Domizil des Feldmarschalls Göring in Sicht. Die gewaltigen Burgmauern boten einen imposanten Anblick. Die Burg ragte hoch über dem malerischen Dörfchen Mauterndorf empor. Sie hielten sich dort nicht lange auf und machten bloß ein paar Aufnahmen von draußen. Nach kurzer Fahrt erreichten sie dann die Burg Moosham, welche ausgiebig besichtigt wurde. Das Schloss Moosham war vor einigen hundert Jahren der Sitz der erzbischöflichen Gerichtsbarkeit hier inmitten der Berge. Ein gewisser Anton Heilmeier, welcher alle Vollmachten vom Erzbischof in Salzburg hatte und als Gerichtsdiener hier damals tun und lassen konnte was er wollte, waltete hier seines Amtes. Er war zudem an den von ihm verhängten Geldbußen beteiligt und auch aus diesem Grunde schon sehr daran interessiert, dass Strafen mit exorbitanten Beträgen verhängt wurden. Grausame Folterungen an unschuldigen, vermeintlichen Hexen waren seine Spezialität und er ließ sich immer neue Quälereien einfallen, bevor er schließlich die Geständnisse der geschundenen Opfer in Händen hatte. Dies bedeute dann fast immer das Todesurteil durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Über achtundzwanzig Jahre trieb er hier auf diesem Schloss sein Unwesen und die Bevölkerung wünschte ihn zum Teufel. In einer August Nacht des Jahres 1775 verschwand der „Schörgen Toni“ – wie man ihn im Volksmund nannte - dann urplötzlich, was der Anlass für viele Sagengeschichten wurde. Es hieß, der Satan persönlich hätte ihn abgeholt. In der Folterkammer, die unmittelbar an den Gerichtsraum angegliedert war, konnten es die Damen des Isais Ringes kaum aushalten. Dem Gewölbe haftete noch das Grauen an, welches sich in der Zeit des Schörgen Toni hier abgespielt haben musste. Schrecklich anzusehen waren die Folterinstrumente, mit welchen den Deliquenten unsägliche Qualen zugefügt wurden.

Wolf hatte schon zuvor umfangreiche Recherchen über das Schloss angestellt und er hatte dabei auch rasch den Hauptverantwortlichen für diese Gräueltaten ausfindig machen können. Es waren hauptsächlich die Salzburger Erzbischöfe Max Gandolf von Kuenburg und Hieronymus Colloredo. Diese hatten hier und auch in den anderen Bezirken des Landes, sowie in der Stadt Salzburg grauenvolles vollbracht. Als die Freunde nach ihrer Runde wieder zum Schlosseingang zurückkehrten, ließ sich Wolf von der Frau, welche die Besichtigungen in der Burg durchführte, erklären, wo sich einst die Hinrichtungsstätte befunden hatte. Da wurden auch die anderen Mitglieder vom Isaisring hellhörig und neugierig. Rasch wurde beschlossen, auch dorthin zu fahren. Es war nicht weit entfernt, nur einige Kilometer. Heute war dort ein größeres Waldstück in welchem vor kurzem ein Rundwanderweg angelegt worden war, der zu den einzelnen Stationen führte, an denen die Deliquenten grausam gemartert und getötet wurden. „Richtstättenweg“ wurde diese drei Kilometer lange Strecke durch den Wald genannt. Parallel dazu gab es dort einen so genannten „Zeitreiseweg“ für die Kinder, welcher mit seinen lustigen Figuren eher an Mikey Mouse und Disney Land erinnerte. „Einfach geschmacklos!“, meinte Elisabeth, „Stell dir vor, solche Figuren würden an einer Toten Gedenkstätte oder auf einem Friedhof aufgestellt sein.“ „Na so ist die heutige Zeit eben – alles für die Spaßgesellschaft. Die Kinder verstehen ja diese grauenvollen Dinge nicht, welche damals geschehen sind, aber Spaß sollen sie hier trotzdem haben – sogar an einer solchen traurigen Stätte“, antwortete Peter, der Architekt und zog dabei seine Augenbrauen hoch. „Vielleicht gibt es hier sogar bald einmal ein Fest an dieser Richtstätte, mit Musik, Würstel grillen und Bierausschank“, meinte Herbert, „damit könnte man doch sicher auch ein paar Leute anlocken“. „Diese Idee müsste man den Verantwortlichen der Gedenkstätten in den Konzentrationslagern Dachau oder Mauthausen nahe bringen. Ob die dort auch so etwas veranstalten würden?“, überlegte Wolf.
„Das glaube ich kaum“, meinte Claudia, „bei uns in Deutschland sind an unzähligen Stätten, an denen so genannte „Hexen und Zauberer“ hingerichtet wurden, Gedenksteine und Tafeln aufgestellt, mit denen auf die Grausamkeiten von damals hingewiesen wird, aber von so etwas wie hier, habe ich noch nie gehört“. Am Beginn dieses Rundwanderweges war ein kleiner Parkplatz, an welchem sie Ihre Autos abstellten. Peter stieg aus und blieb vor einer großen Tafel stehen. Er rief: „Schaut einmal her, was hier geschrieben steht“ und begann vorzulesen: „…es ist nicht beabsichtigt, die damalige Gesellschaft zu verurteilen….“, bevor er weiter lesen konnte, unterbrach ihn Elisabeth und meinte „Ich verstehe nicht ganz, was der Verfasser mit „damaliger Gesellschaft“ gemeint hat. Meines Wissens bedeutet Gesellschaft doch die Gesamtheit der Bevölkerung, wie etwa Bettler, Bauern, Handwerker, Adelige und Herrscher. Der hätte das nicht extra betonen müssen, denn es ist ohnehin einleuchtend, dass nicht die gesamte damalige Gesellschaft für die Hexenverfolgungen zu verurteilen ist.“ „Natürlich“, erwiderte Wolf, „verurteilen muss man aber denjenigen, der dafür verantwortlich war, denn diese Verbrechen wurden ja auch nicht von der Gesellschaft angeordnet, sondern einzig und alleine vom Erzbischof persönlich. Aber solch eine Aussage wollte der Verfasser offensichtlich nicht machen, denn so einem Kirchenmann wird man hierzulande auch nach über dreihundert Jahren nicht die Verantwortung für diese Taten anlasten wollen. Es handelte sich doch um den angeblich so guten, christlichen Erzbischof.“ „Nun stellt euch einmal vor, so eine Tafel würde vor den als Mahnmal übrig gelassenen Ruinen eines im Krieg zerstörten Dorfes in Frankreich oder in Tschechien stehen oder vielleicht bei den Gedenkstätten in Mauthausen oder in Dachau. Auch dort kamen unschuldige Menschen zu Tode, genauso wie hier. Wenn man da ein Schild aufstellen würde, auf dem zu lesen wäre: „Es ist nicht beabsichtigt, die damalige Gesellschaft zu verurteilen,…….“ – „Na was glaubt ihr, was dann geschehen würde?“

Ein Raunen ging durch die kleine Runde. „Aber das hier war ja eine Richtstätte, wurden hier nicht verurteilte Verbrecher hingerichtet?“, fragte Claudia. Wolf seufzte: „Leider nein, oder zumindest nur sehr wenige. Die meisten der Getöteten fielen dem Hexenwahn und der Machtgier der Kirche zum Opfer. Die Prozessakten, die heute noch für jedermann zugänglich sind, sprechen eine deutliche Sprache“. Wolf fuhr fort: „Zu dieser Zeit gab es bittere Armut hier in unserem Land. Während dieser Erzbischof für seine Verwandten und Günstlinge prachtvolle Palais bauen ließ und Kirchen errichtete, welche wohl eher seinem Ruhme, als der Ehre Gottes dienen sollten, vegetierte das einfache Volk dahin und viele konnten sich nur durch Betteln vor dem Verhungern retten. Das barg sozialen Sprengstoff und daher mussten diese Bettler, welche überwiegend minderjährige Kinder waren, verschwinden. Was war einfacher, als die aufgegriffenen Personen der Hexerei zu beschuldigen. Spätestens nach Anwendung der Folter, welche man „Peinliche Befragung“ nannte, „gestand“ dann fast jeder alles, dessen man ihn bezichtigte. Anschließend wurden die Verurteilten, unter denen sich sogar zehnjährige Mädchen befanden, dann dem Scharfrichter überantwortet und starben qualvoll auf dem Scheiterhaufen. In der Folge kam es beinahe zu einem Bettleraufstand, welcher in einer Unzahl von Prozessen um den so genannten „Zauberer Jackl“ endete. Zahlreiche Jugendliche scharten sich um einen ebenfalls jungen Mann, welcher Jakob hieß und in den Augen des Bischofs ein Zauberer sein musste, da er seiner nie habhaft werden konnte. In seiner Wut ließ er daraufhin unbarmherzige Jagd auf die Bettelkinder machen. Über einhundertdreißig, überwiegend Jugendliche und Kinder kamen so innerhalb eines Zeitraumes von nur sechseinhalb Jahren unter der Herrschaft des Erzbischofs Max Gandolf von Kuenburg ums Leben. Aber vor dem Volk ließ er sich als mildtätiger Mann Gottes bezeichnen, indem er die Strafen der Verurteilten zuweilen „abmilderte“, wobei er manche der Kinder gnadenhalber erdrosseln oder enthaupten ließ, bevor ihre Körper verbrannt wurden. Auch die Vertreibung der Protestanten aus unserem Land wurde vom diesem Bischof angeordnet. Er wollte einen reinen Katholikenstaat haben, frei von Andersdenkenden. Die Kinder der Ausgewiesenen wurden den Eltern weggenommen und ihr halbes Vermögen vom Bischof einbehalten. Versuchte ein Vater sein Kind heimlich außer Landes zu bringen, so endete er als Galeerensträfling in Venedig. Erst nachdem damals der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg einschritt und den Bischof in die Schranken wies, wurde den Kindern die Ausreise zu ihren Eltern ermöglicht.“
„Das ist ja grauenvoll, was du da erzählst. Von so einem Verbrecher sollte eigentlich in den Geschichtsbüchern höchstens als Abschreckung berichtet werden“, sagte Claudia. „Ja, du hast Recht“, erwiderte Wolf, „aber die Unterwürfigkeit gegenüber der Kirche ging und geht sogar so weit, dass man bis heute noch den Namen dieses Bischofs auf Straßenschildern in vielen Orten unseres Landes findet. Schließlich hatte der Erzbischof ja auch sehr viele schöne Bauten errichten lassen, die heute noch Bewunderung finden, welche aber in Wirklichkeit mit dem Blut und den Tränen seiner Untertanen erbaut wurden.“
„Nur wegen dieser von ihm in Auftrag gegebenen Kirchen sollten seine Schandtaten verschwiegen und er in ein besseres Licht gerückt werden? So etwas kann es doch nicht geben.“, sagte Peter der Architekt mit einem Kopfschütteln. „Stellt Euch vor“, antwortete Herbert, „in Salzburg oder Berchtesgaden gäbe es heute Straßen oder Plätze, die nach Kriegsverbrechern benannt wären! Einfach unvorstellbar!“ Wolf nickte: „Das ist ja auch etwas ganz anderes, zumindest wird das von vielen so gesehen. Ich habe kürzlich hier am Waldrand eine Frau und einen älteren Mann, vermutlich waren es Lehrer, mit einer Kinderschar getroffen. Sie meinten zu den Vorwürfen gegen Max Gandolf nur, dass der Bischof schließlich ein Christ war. Aber waren das nicht auch viele andere, deren Namen man heute besser nicht mehr aussprechen sollte?

Zurzeit ist es aber in Österreich und vielleicht auch schon in Deutschland opportun, hunderte Straßennamen umbenennen zu wollen. Da hört man auf einmal, dass die Namen von bedeutenden Politikern und auch Wirtschaftstreibenden der Nachkriegsepoche, welchen man nachweisen konnte, dass sie sich während der Nazizeit antisemitisch oder ausbeuterisch betätigt haben, nichts auf Straßenschildern verloren haben“. Elisabeth meinte: „Aber den erzbischöflichen Kindermörder hofiert man weiterhin, nicht wahr?“ „Leider ist das so, aber irgendjemand muss da großes Interesse daran haben, dass es so bleibt“. Dann erzählte er weiter: „Dieser Max Gandolf von Kuenburg hat sogar eine eigene Grabstelle in der Krypta des Salzburger Doms erhalten und seine Innereien befinden sich in der von ihm erbauten Kirche Maria Plain nahe Salzburg. Kurz vor seinem Tode wurde er sogar noch vom Papst zum Kardinal ernannt. Freilich war dieser Erzbischof nur ein kleines Rädchen in den Analen der Hexenverfolgungen. Aber in seiner Amtszeit gelangte er zumindest hier im Land Salzburg mit seinen Gräueltaten zu trauriger Berühmtheit über welche aber heutzutage interessanterweise nur noch spärlich am Rande berichtet wird. Nur zu eurer Information, die Inquisition der römisch katholischen Kirche forderte zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Jahrhundert alleine in Europa mindestens eine Million Todesopfer. Diese Zahl ist aber umso schwerwiegender, da es zu dieser Zeit in ganz Europa ohnehin nur durchschnittlich achtzig Millionen Einwohner gab. Es handelte sich somit prozentuell um die größte, gezielte Ausrottung von Menschen in der Geschichte. Freilich distanziert sich die heutige Kirche von diesen Verbrechen und will damit nichts mehr zu tun haben. Es ist natürlich auch lobenswert zu erwähnen, dass Papst Paul II vor zwölf Jahren öffentlich Abbitte geleistet hat für diese Gräueltaten seiner Kirche, aber ob es in irgendeiner Form eine Wiedergutmachung gibt, ist nicht anzunehmen. Die vielen kleinen Dorfpfarrer, welche sich in der Ausübung ihres Amtes aufopfernd bemühen, die Religion einigermaßen wieder ins rechte Licht zu setzen, haben mit dieser Hypothek aus den vergangenen Jahrhunderten auch heute noch schwer zu kämpfen. Aber sogar hier und jetzt dürfte einiges schief laufen. Einen Amokläufer, der vor fünfzehn Jahren in dieser Gegend, ganz in der Nähe der Burg Mauterndorf, sechs Menschen und anschließend sich selbst erschossen hat, wollte man nicht einmal auf dem Ortsfriedhof begraben. Na ja, er war schließlich nur ein Mechaniker gewesen und kein Erzbischof, welcher ja trotz seiner Verbrechen sogar im Dom bestattet werden durfte“. Peter meinte kopfschüttelnd: „Für mich ist so etwas schlichtweg Verherrlichung. Verherrlichung eines Verbrechers gegen die Menschlichkeit.“ Während die kleine Gruppe durch den dichten Wald wanderte, in dem an bestimmten Stellen Schautafeln angebracht waren, welche an das Schicksal der armen Opfer erinnern sollten, meinte Herbert: „Was mich aber besonders interessiert, ist die Tatsache, dass sich der Reichsführer SS, Himmler so massiv für diese Hexenprozesse interessiert hat, und dass er hierfür sogar ein eigenes Amt innerhalb der SS geschaffen hat. Der hat doch mit Sicherheit nach irgendetwas gesucht. Ob er es wohl gefunden hat?“ Wolf antwortete ihm: „Der General hat mir erzählt, dass Himmler mit sehr viel Aufwand nach diesen Prozessakten suchen ließ und er ganz bestimmt etwas zu finden hoffte. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich Kammler nochmals darauf ansprechen, vielleicht erfahre ich dann mehr.“

Mittlerweile waren sie bei dem Platz angelangt, an welchem früher der gewaltige Scheiterhaufen loderte. Ein dreißig Meter langes Oval, von einem metertiefen Graben umschlossen, mitten im Wald, erinnerte an die grausige Stätte von einst. Und wieder waren es die Frauen vom Isais Ring, welche das Grauen an diesem Ort fast körperlich zu spüren vermeinten. Als die Gruppe dann wieder auf dem Rückweg zu den Autos war, sagte Wolf: „Vielleicht könnten wir mit Hilfe des Generals einmal einen Blick in diese Zeit werfen.“ „Ohne mich“, antwortete Elisabeth, Was meinst du, ich möchte doch nicht in die Hände dieser Mörder fallen.“ „Nein, das müsste mit Hilfe von Kammler schon ordentlich abgesichert sein und außerdem bist du und dein Mann schließlich bei der Polizei“, lachte Peter, „ich wäre schon mit dabei.“

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Kapitel 17

Vitriol

Der erste Gedanke, den Wolf hatte, als er wieder zuhause ankam, war Becker anzurufen. Dieser war aber nicht erreichbar. Er hinterließ ihm eine Nachricht auf seiner Mobilbox. Und schon zwei Tage später kam der Rückruf des Illuminaten. Wolf wollte persönlich mit ihm sprechen und es wurde ein Treffen im alten Gasthof vereinbart. Becker war ohnehin erst einmal dort gewesen und die Gefahr, dass ihn jemand wiedererkennen würde, bestand somit nicht. "Ich habe schon damit gerechnet, dass Sie mich nach Ihrer Rückkehr aus Ägypten kontaktieren würden", sagte Becker in beinahe väterlichem Tonfall. "Sie möchten jetzt über die Wirkung der Schwarzen Steine Bescheid wissen", fuhr er fort, als wüsste er bereits, was Wolfs brennendes Interesse war.
Dieser war schon längst nicht mehr erstaunt über diese Fähigkeit des Illuminaten, der ja immer schon im vorhinein Wolfs Fragen zu wissen schien. "Ja", sagte er, "das möchte ich wirklich..." Becker unterbrach ihn und begann "Erinnern Sie sich wie diese Geschichte begann? Es war doch der Sage nach Isais, welche dem Tempelritter Hubertus in den Ruinen von Ninive erschienen war und ihm den Schwarzen Stein übergeben hatte. Sie beauftragte den Ritter damit, diesen Stein in einer Höhle des Mitternachtsberges im Abendland zu verbergen. Von wo aus dieser dann seine Macht entfalten würde. Der Tempelritter brachte den Stein dann zum Untersberg und versteckte ihn in dieser Höhle, welche Sie dann mit Linda gefunden hatten. Auch Hitler ließ einen solchen Schwarzen Stein aus einem Gang in der Ostwüste Ägyptens bergen und brachte ihn ebenfalls in die Höhle des Tempelritters am Untersberg. Auch Sie haben Ihren ersten Schwarzen Stein tief unter der Cheops Pyramide in der unvollendeten Felsenkammer gefunden und Jahre später mit Linda und dem Fischer Raghab den zweiten Schwarzen Stein aus dem freigelegtem Gang in der Wüste südlich von Safaga. Auch dieser Stein war bis dahin tief im Berg verborgen gewesen. Sie und Linda sind schon vor Jahren dem Geheimnis um diese Steine sehr nahe gekommen, als Ihnen nämlich aufgefallen war, dass sowohl der Untersberg als auch die Cheops Pyramide aus Kalkstein bestehen und die Schwarzen Steine darin eingeschlossen waren. Und genau das ist es, was diesen Steinen die Fähigkeit gibt, die Zeit zu verändern. Es gibt sogar schriftliche Hinweise auf die Wirkung dieser Steine.

Es war vor fast fünftausend Jahren als die als "Tabula Smaragdina" - die Smaragdtafel - benannte Schrift zum ersten Male auftauchte. Das war in der Gegend des heutigen Irak, im Zweistromland. Dort wurde damals schon die Wirkungsweise dieser Steine beschrieben. Durch die zahlreichen Abschriften und Übersetzungen im Laufe der Zeit wurde der Sinn dieser Schrift verschleiert und immer neue Interpretationen des Textes machten schließlich das Erkennen der ursprünglichen Bedeutung unmöglich. Aber bereits vor vielen Jahrhunderten haben auch die Alchemisten der Rosenkreuzer den sogenannten "Stein der Weisen" beschrieben. Zuerst nur mit einem einzigen Wort, welches aber nur aus den Anfangsbuchstaben von sieben Wörtern bestand. Dieses Wort aber blieb über die Jahrhunderte hinweg erhalten und kann daher auch heute noch zu einer Erklärung dieses Phänomenes dienen. Später kamen dann von vielen Seiten neue kryptische Auslegungen dazu, was zur Folge hatte, dass eine Unzahl von Forschern immer wieder versucht hatte, diesen Stein der Weisen herzustellen. Die meisten wollten damit Gold machen, denn es wurde ihm nachgesagt, dass alles was man damit berührte zu Gold werden würden. Später bezog man diese Aussagen, welche zum Großteil schon im Mittelalter gemacht wurden, auf ein Gleichnis für einen geistigen Entwicklungsprozess, was auch eine gewisse Richtigkeit hatte. Die Wahrheit liegt aber mitten drinnen. Diese Steine sind tatsächlich zu einer Wechselwirkung zwischen Mensch und Zeit fähig. Auf der Abbildung, welche der Tabula Smaragdina beigefügt ist steht in einem Kreis:

"Visita Interiora Terra Rectificando Invenies Lapidem Occultum"

Das bedeutet: "Besuche das Innere der Erde und du wirst den Stein der Weisen finden". Durch Zufall haben Sie und Claudia diesen Mechanismus bei Ihrer letzten Reise nach Ägypten im Tempel von Karnak, am zweiten Pylon herausgefunden". "Ja aber Claudia hatte doch nur das zwölfstrahlige, mesopotamische Siegel. Den Schwarzen Stein habe ich doch gehabt", unterbrach ihn Wolf. "Das macht nichts", fuhr der Illuminat fort, "dieses schwarze Rundsiegel stammt doch ebenfalls, so wie der Stein des Tempelritters auch aus Mesopotamien, nämlich aus Ninive, wo Isais einst erschienen ist. Sie sehen also, hier läuft alles wieder zusammen - in der Wiege der Zivilisation, im Zweistromland". Wolf wusste nicht so recht, was er mit dieser Aussage von Becker anfangen sollte. Bevor er jedoch eine neue Frage formulieren konnte, kam Monika, die junge Wirtin in die Turmstube, wo Wolf und Becker ganz alleine an einem Tisch saßen und fragte, ob noch etwas zu trinken gewünscht wäre. Der Zufall wollte es aber, dass Monika sich noch an den ersten Besuch des Illuminaten vor über zwei Jahren erinnern konnte und sie sagte zu ihm: "Heute haben wir ein herrliches Bergwetter, da wäre eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Untersberg wirklich lohnend. Sie würden eine traumhafte Aussicht von dort oben haben." Becker quittierte die Anregung der Wirtin mit einem freundlichen Nicken und wandte sich wieder Wolf zu. "Ich möchte Ihnen auch sagen, dass durch die rasante Entwicklung der weltweiten Kommunikation eine wesentlich raschere Verbreitung des Untersberg Mysteriums vonstatten geht. Dazu kommt dann noch, wie ich Ihnen bereits voriges Jahr schon gesagt habe, die Wirksamkeit des morphogenetischen Feldes, welches sich ebenfalls sehr schnell aufgebaut hat. Glauben Sie mir, die Zukunft hat schon begonnen und die Umwälzung ist bereits in vollem Gange. Und noch etwas, wäre eine Reise in den Irak für Sie und Claudia denkbar?" Was um Himmels Willen sollte das nun wieder, dachte Wolf. In den Irak? Dorthin, von wo man täglich Horrormeldungen hören konnte. Weshalb sollte er mit Claudia dorthin fliegen? Auch diesmal wieder schien Becker die Gedanken seines Gegenübers im Voraus zu wissen und meinte gelassen, "Sie müssten dort nichts befürchten. Die Reise würde ja nicht nach Bagdad ins Zentrum der Unruhen gehen. Nein in den Nordirak, sozusagen ins wilde Kurdistan, welches heutzutage absolut nicht mehr wild ist. Sie würden staunen, wie modern und westlich es dort in den Städten aussieht. Und falls Sie dann auch noch die Ruinen der Stadt Ninive besuchen würden, könnte ich mir vorstellen, dass Sie dort - so wie es fast überall geschah - etwas finden werden. Mehr möchte ich Ihnen dazu aber vorerst nicht sagen. Denken Sie einmal darüber nach. Und noch etwas, der ehemalige Leiter des BVT Dr. Pollux, er ist ein Freund ihres Bekannten Gernot, der könnte Ihnen beim Vorbereiten der Reise recht hilfreich sein". "Ist in Ordnung", nickte Wolf nur noch mechanisch, "ich werde auch mit Claudia darüber reden, aber versprechen kann ich nichts". Wolf bezahlte und sie verabschiedeten sich. Bei der Rückfahrt dachte er über diese Idee von Becker nach. Was sollte dort in den alten Ruinen von Ninive schon besonderes herumliegen? Oder meinte Becker dass Isais persönlich zwischen den alten Steinen erscheinen würde? Das schwarze Rundsiegel, welches Wolf immer um seinen Hals trug stammte nach den Angaben des Archäologen, von dem er es vor vielen Jahren erhalten hatte, ja ebenfalls von dort. Auch den schwarzen Stein sollte Ritter Hubertus, der Sage nach im Morgengrauen von Isais dort in den Ruinen von Ninive erhalten haben.

Aber eine Reise in den Irak wäre doch ein wenig außergewöhnlich, wenn auch Wolfs andere Abenteuer auch nicht gerade als normal zu betrachten waren. Aber was um Himmels Willen hatte der ehemalige Leiter des BVT Dr. Pollux mit dem Irak zu tun? Welche Informationen oder Hilfestellungen könnte er von diesem erwarten? Nun, durch seine Erfahrung als Ex Geheimdienstchef könnte er bestimmt einige nützliche Hinweise von ihm erhalten. Ja, Wolf würde Gernot anrufen, vielleicht war er in der Lage, den Kontakt mit Dr. Pollux herzustellen. Er würde aber vorerst abwarten, was die junge Claudia dazu zu sagen hatte. Schließlich sollte sie ja, so wie Becker sagte, auch mit dabei sein. Als erstes sah er sich aber die Reise Möglichkeiten im Internet an. Es war ja nicht so, dass man mit beliebigen Fluglinien einfach in den Irak fliegen konnte. Die dort ansässige Airline „Dokan Air“ bot jedoch Flüge in den Nordirak an und das sogar von München aus. Auch die Preise waren durchaus moderat. Die Stadt Erbil wurde angeflogen. Von da aus wären es keine hundert Kilometer auf der Schnellstraße bis nach Mossul. Die riesige Ruinenstadt Ninive lag direkt am gegenüberliegenden Ufer des Tigris. Mit einem Tagesausflug würde sich daher eine Besichtigung von Ninive sicherlich realisieren lassen.

 

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