Leseprobe

Expose Band 1

 

 

Ein auf Tatsachen beruhender spannender, fesselnder Roman. Der überwiegende Teil wurde vom Autor selbst erlebt. Das Buch handelt von einem Zeitsprung Phänomen, welches der Überlieferung nach, am Untersberg bei Salzburg seit Jahrhunderten auftritt. Dort verschwinden immer wieder Menschen, tauchen oft nach Tagen oder gar Wochen wieder auf und behaupten stets, nur kurze Zeit am Berg verbracht zu haben. Wolf, ein fünfzigjähriger Hobbypilot, der am Fuße dieses Berges wohnt, weiß um diese Geschichten, nimmt sie aber nicht ernst, bis er auf seinen vielen Reisen mit seiner Begleiterin, der zierlichen Lehrerin Linda in Ägypten auf ähnliche Phänomene stößt. Sie treffen in entlegenen Gebieten der Sahara auf die verschiedensten Personen, von welchen sie immer wieder Erzählungen über seltsame schwarze, runde Steine hören. Alles deutet darauf hin, dass diese Steine bei den Zeitphänomenen eine Rolle spielen. Wolf entschließt sich, der Zeitverschiebung auf den Grund zu gehen und beginnt zu recherchieren. Als er durch Zufall auch den vor seiner Haustüre gelegenen Obersalzberg, das einstige Refugium der NS Größen, in seine Nachforschungen mit einbezieht, wird es für ihn lebensgefährlich. Er hat allen Grund zur Annahme, dass die damaligen Machthaber des Dritten Reiches über die Zeitverschiebungen und auch über die schwarzen Steine Bescheid wussten. Danach überstürzen sich die Ereignisse. Sie bekommen bei ihrer Suche das Zeitphänomen hautnah zu spüren und geraten dabei mit Leuten aus der Vergangenheit in Kontakt, welche ihnen ein Gold Depot in den Bergen zeigen. Auf Grund der von diesen erhaltenen Informationen, fliegen sie mit einer kleinen, viersitzigen Cessna über Afrika auf die Kanareninsel Fuerteventura, um geheimnisvolle Bleizylinder aus den Lavahöhlen, tief unter der Villa Winter zu bergen. Sie erleben in der Folge Abenteuer, die sprichwörtlich unter die Haut gehen. Nach erfolgreichem Abschluss ihrer Aktion erwartet die beiden ein turbulenter Rückflug im Sandsturm über dem Atlantik und ein gefährlicher Flug durch ein enges kurvenreiches Alpental, weit unter der Mindestflughöhe. Aber auch am Untersberg sind mittlerweile Aktionen im Gange, welche darauf hindeuten, dass bereits auch andere ihr Interesse an den Phänomenen zeigen. Den Leuten aus der Vergangenheit gelingt es aber, ihr Geheimnis zu bewahren

 

 

 

P.S. Der Hintergrund : Am Untersberg bei Salzburg verschwanden am 15. August 1987 drei Deutsche spurlos, welche das dort auftretende Zeitphänomen erforschen wollten. Sie lösten damit die größte Suchaktion, welche es jemals am Untersberg gab, aus. 152 Mann und 3 Helikopter waren damals über eine Woche lang im Such Einsatz ohne auch nur irgend etwas von den Dreien zu entdecken. Nach über 2 Monaten meldeten sich diese Leute von einem Frachtschiff im Roten Meer........ Der Autor begegnete diesen Deutschen schon einige Jahre vor ihrem Verschwinden auf einer Schutzhütte am Berg und begann daraufhin 15 Jahre lang akribisch zu recherchieren, was er dabei entdeckte und herausfand, konnte er nur noch als Roman veröffentlichen...

 

 

 

Kapitel 1

Griechenland Oktober 1941

Ein regnerischer Oktobertag in der Ägäis ging zu Ende. Tiefe Wolken verdeckten den Himmel an der griechischen Küste. Die Schaumkronen des aufgewühlten Meeres und die raue Gischt der Brandung verstärkten den düsteren Eindruck des ungemütlichen Herbstwetters. In den Baracken des kleinen Feldflugplatzes Kalamaki, nahe Piräus brannte bereits Licht, als der Einsatzbefehl an die beiden dort stationierten HE 111 Bombenflugzeuge der 4. Gruppe des 26. Kampfgeschwaders der deutschen Wehrmacht erging. Das Geschwader führte einen sitzenden roten Löwen mit dem Wahlspruch "Vestigium leonis" - "Die Spur des Löwen" - im Wappen und wurde daher auch das Löwengeschwader genannt. Dem Piloten, Leutnant Jansen blieben gerade noch dreißig Minuten, um mit dem Flugzeugführer der anderen Maschine die Route zu besprechen. Als erster Zwischenstopp sollte der gerade erst kürzlich errichtete Feldflugplatz von Iraklion auf Kreta angeflogen werden. Dort würden Zusatztanks aufgenommen und nochmals vollgetankt werden. Die Reichweite sollte diesmal nämlich auf ein Maximum erhöht werden. Zielgebiet war das Rote Meer südlich vom Suez Kanal. Nach gerade erst eingegangenen Berichten des Nachrichtendienstes sollte sich dort die „Queen Mary“ befinden, welche enorme Mengen an Nachschub für die alliierten Truppen in Nordafrika an Bord haben sollte.

Die „Queen Mary“ war das zur damaligen Zeit größte Passagierschiff der Welt und war von den Briten für den Kriegseinsatz zum Truppentransporter umgerüstet worden. In dieser Nacht des 6.Oktober 1941, sollte sie von den beiden deutschen Flugzeugen mit speziellen Torpedobomben versenkt werden. Jansen startete die beiden großen Motoren seines Flugzeuges.Laut dröhnend kamen die mächtigen Propeller auf Touren und nachdem der zweite Jagdbomber ebenfalls seine Maschinen angelassen hatte, rollten beide Flugzeuge dicht hintereinander zum linken Ende der Rollbahn. Plangemäß starteten die beiden zweimotorigen Heinkel 111 mit je fünf Mann Besatzung und erreichten schon nach etwas mehr als einer Stunde, die nur dürftig beleuchtete Landebahn in Iraklion auf Kreta. In kurzem Abstand setzten beide Maschinen auf der planierten Piste des neuen Flugplatzes auf und rollten zu dem schon bereitstehenden Tankwagen. Die beiden Kommandanten ließen sich in der Luftaufsichtsbaracke den aktuellen Wetterbericht für Ihre Flugroute geben. Binnen kürzester Zeit waren auch die Zusatztanks unter den Tragflächen befestigt und die Flugzeuge wieder aufgetankt. Sie starteten in Richtung Süden und nahmen direkten Kurs auf die ägyptische Hafenstadt Alexandria. Knapp vor Erreichen der afrikanischen Küste gab Leutnant Jansen den Befehl, jeglichen Funkverkehr einzustellen, damit die Position der beiden Bomber nicht vom Feind durch Peilung festgestellt werden konnte. Über dem Norden Ägyptens war es wolkenlos und im Mondlicht zeichnete sich scharf die Küstenlinie des afrikanischen Kontinents ab. Jansen änderte nun, wie besprochen seinen Kurs auf 110 Grad und die zweite HE 111 folgte ihm in geringem Abstand. Sie flogen in einer Höhe von 3000 Metern nördlich an Kairo vorbei und erreichten kurz nach Mitternacht das Rote Meer südlich von Suez. Jetzt hatten sie sehr gute Sicht und gingen hinunter auf 100 Meter über dem Meer. In der nächsten halben Stunde sollten sie auf die „Queen Mary“ treffen. Im fahlen Mondlicht glänzte die ruhige See unter ihnen. Die beiden Maschinen flogen der Küste der Sinai Halbinsel entlang nach Süden, doch von ihrem Ziel war weit und breit nichts zu sehen.

„Wenn das Schiff nicht bald in Sicht kommt, müssen wir umkehren“ Leutnant Jansen, der bereits etwas nervös geworden war, wischte sich den Schweiß von der Stirne. Er sah zuerst auf die Tankanzeigen und dann auf seine Uhr. Ihr Treibstoffvorrat reichte gerade noch für etwa zwanzig Minuten in südlicher Richtung, spätestens dann müsste er umkehren, damit sie den Flugplatz in Kreta noch sicher erreichen konnten. Aber noch immer war keine Spur von der „Queen Mary“ zu sehen. Doch plötzlich tauchte ein vor Anker liegender Konvoi der Alliierten vor ihnen auf. Das größte der Schiffe war ein Frachter mit über 120 Meter Länge, danach ankerte ein mittlerer Kreuzer und eine Menge kleinerer Schiffe als Geleitschutz. Jansen unterbrach die Funkstille, „Abwurf und Feuer frei“ mit diesen Worten befahl er den sofortigen Angriff auf den großen Frachter. Fast gleichzeitig setzte das laute Rattern der 20 Millimeter Bordkanonen der Flugzeuge ein. Jetzt musste alles schnell gehen. Viel Zeit hatten sie nicht, denn wenn sie erst einmal entdeckt waren, würden sie in dieser geringen Höhe mit Sicherheit für die Geschütze der Schiffe ein leicht zu treffendes Ziel sein.

Schon die erste Bombe aus Jansens Flugzeug war ein Volltreffer. Der große Frachter wurde wie eine Konservendose aufgerissen. Offensichtlich hatte er auch sehr viel Munition geladen, denn wie ein riesiges Feuerwerk folgten minutenlang Explosionen, bevor das Schiff mit rot glühendem Heck, vor der Küste des Sinai im Roten Meer versank. Die durch den Überraschungserfolg leichtsinnig gewordenen Piloten der Jagdbomber wollten nun auch noch den Kreuzer versenken, der mittlerweile aus allen Rohren feuerte. Mit einer Steilkurve nach links versuchte Leutnant Jansen seine Maschine in Abwurfposition für die nächste Bombe zu bringen, da wurden sie von einer Garbe der Bordkanonen des Kreuzers in der rechten Tragfläche getroffen. Die zweite Maschine erhielt einen Treffer in den Rumpf. Sie zog eine schwarze Rauchfahne hinter sich her und versuchte sofort abzudrehen, was ihr offensichtlich auch gelang. Jansens Flugzeug war noch manövrierfähig und er wollte ebenfalls wieder zurückfliegen, als er bemerkte, dass einer der Tanks leck geschossen war und der Treibstoffverlust einen Rückflug zur Basis unmöglich machen würde.
„Wir haben einen Treffer im rechten Tank, Rückflug zur Basis aussichtslos, versuche die Maschine in der Sandwüste hinter den Gebirgen, jenseits des Roten Meeres zu landen. Euch noch viel Glück Kameraden“, mit diesem letzten Funkspruch an die Besatzung der anderen Maschine, drehte er ab aufs offene Meer. Er hoffte, mit dem verbleibenden Benzin im linken Tank, noch das Rote Meer und die danach aufragenden Berge der ägyptischen Ostwüste zu überqueren, um dann in der ebenen, sandigen Gegend des Niltals eine Notlandung zu versuchen. Danach wollte er sich mit seinen vier Männern bis nach Kairo durchschlagen. Eine halbe Stunde Flugzeit sollte ihnen genügen. Würde der Sprit reichen und würde das Flugzeug noch so lange durchhalten?
Leutnant Jansen beobachtete angespannt die Kontrollanzeigen für die Motoren. Das Geräusch hatte sich verändert und das bedeutete nichts Gutes.

“Der linke Motor hat etwas abbekommen, er bringt nur noch die halbe Leistung. Macht Euch für einen Ausstieg bereit, ich glaube nicht, dass wir es noch über die Berge schaffen.“ Jansen hatte jetzt Mühe, die Maschine in der Luft zu halten. Der Zeiger des Höhenmessers drehte sich langsam nach links und das bedeutete stetiges Sinken. Es war inzwischen zwei Uhr morgens, sie befanden sich noch immer über den Bergen, plötzlich begann das Flugzeug rascher zu sinken. Der rechte Motor der HE 111 begann jetzt zu stottern und gab seinen Geist auf. Jansen starrte wie gebannt auf die stehen gebliebene Luftschraube. Instinktiv stellte er die Propellerblätter auf Segelstellung, um nicht noch rascher zu sinken. Dennoch verloren sie nun aber massiv an Höhe. Es war absehbar, dass sie die flache Wüste nördlich von Luxor nicht mehr erreichen würden. Jansen überlegte nur einen Augenblick. „Alle Mann klarmachen zum Absprung, seht zu, dass ihr schnell hier rauskommt, sonst sind wir zu tief, wir treffen uns beim Flugzeug“ rief er ins Bordmikrofon und zog die Maschine noch ein letztes Mal hoch, um seinen Männern ein leichteres Aussteigen zu ermöglichen. In rascher Folge sprangen die vier Soldaten aus der Maschine. Unmittelbar danach, als die Höhe für einen Absprung schon bedenklich niedrig war, verließ auch Kapitän Jansen das schwer haverierte Flugzeug. Am Fallschirm schwebend konnte er noch sehen, wie seine Maschine in einer Steilkurve nach unten, am Fuße eines hohen Berges, zerschellte. Es gab eine gewaltige Explosion und die brennenden Wrackteile erhellten gespenstisch die bizarren Berggipfel dieser abgelegenen Felswüste. Jansen landete zwischen zwei kleineren Berggipfeln in einer Schotter Rinne und konnte sich rasch von seinem Fallschirm befreien. Seine Kameraden mussten etwa einen Kilometer von ihm entfernt heruntergekommen sein. Auch für sie sollte das brennende Flugzeug die Richtung weisen. Im Dunkeln tastete sich Jansen nach unten und der Schein des Feuers half ihm bei der Orientierung. Insgeheim hoffte er, noch irgendetwas Brauchbares, wie einen funktionierenden Kompass im Wrack zu finden, denn die Orientierung in der Wüste würde schwierig werden und bis Kairo waren es mindestes fünfhundert Kilometer.

Jansen überlegte, wo sie jetzt wohl waren. Von der Südspitze der Sinai Halbinsel, dort wo Sie den Schiffskonvoi angegriffen hatten, waren es rund fünfzig Kilometer bis zur ägyptischen Küste und so hohe Berge wie hier gab es ja nur bis achtzig Kilometer landeinwärts. Sie hätten also längst die Ebene des Niltales erreicht haben müssen. Es sei denn, der Nordwind war wesentlich stärker als angenommen, was zu dieser Jahreszeit jedoch nicht ungewöhnlich war. Als er näher zum brennenden Flugzeugwrack kam und den Berg sah an dem die Maschine zerschellt war, ahnte er plötzlich, wo sie sich befinden mussten. Keine andere Erhebung in der Ostwüste auf der Höhe von Luxor war so hoch. Das konnte nur der „Gebel Semmna“ sein, der mit seinen über eintausend Metern Höhe, düster emporragte. An seinem Fuße loderten noch die Flammen aus den Trümmern des abgestürzten Flugzeuges. Sie waren also über einhundert Kilometer vom Nordwind nach Süden versetzt worden. Jansen musste sich in der Dunkelheit über messerscharfe Felsstücke vorantasten. Er hielt Ausschau nach seinen Männern.

Als ersten fand er den Obergefreiten Krüger. Dieser hatte den Absprung ebenfalls heil überstanden. Er war offensichtlich froh, seinen Kommandanten wieder wohlbehalten anzutreffen und machte Meldung „Alles in Ordnung, Herr Leutnant, Obergefreiter Krüger meldet sich zurück!“ Hinter einer kleinen Felskuppe trafen sie auf zwei weitere Besatzungsmitglieder. Diesen war es nicht so gut ergangen. Der Gefreite Huber hatte sich den Knöchel verstaucht und humpelte mehr schlecht als recht über die scharfkantigen Felsen zum Wrack. Feldwebel Körner hatte eine klaffende Wunde am linken Arm, welche er sich beim Abstieg vom Berghang auf dem er gelandet war, zugezogen hatte. Für Unteroffizier Berger kam jede Hilfe zu spät. Sein Fallschirm hatte sich hoch oben an einem Felsvorsprung verheddert. Beim Versuch sich von den Leinen zu loszuschneiden, musste der arme Soldat abgestürzt sein und sich das Genick gebrochen haben. Sie fanden ihn am Talgrund liegen. „Männer, so traurig es ist, dass wir einen Kameraden verloren haben können wir aber von Glück reden, dass es uns nicht auch erwischt hat. Hier in diesem Felsengebirge, in absoluter Finsternis mit dem Fallschirm aus Mindesthöhe abzuspringen, war ein großes Risiko. Wollen wir für den Kameraden Berger eine letzte Ruhestätte schaffen“. Sie nahmen dem toten Soldaten seine Erkennungsmarke ab und schlichteten als dürftige Grabstelle Felsstücke auf den leblosen Körper. Danach machten sie sich auf den Weg, den ihnen der Schein des Feuers wies.

Als sie nach einer Weile am Wrack angelangt waren, konnten sie erkennen, dass die mächtige Explosion einen Felssturz ausgelöst haben musste. Ein Stück oberhalb der langsam verlöschenden Flammen, sahen sie ein steinernes Portal halb aus dem Geröll ragend. Ein uralter, verschütteter Eingang. Als sie näher herankamen, bemerkten sie, dass eine Art grünlicher Nebel oder Dunst aus dem halb freigelegten Eingang herausdrang.
„Ich werde mir das ansehen“, meinte Krüger und auf ein Nicken von Leutnant Jansen kletterte der Obergefreite die Geröllhalde zum Eingang hoch. „Was ist das für ein grüner Nebel?“ fragte Berger, dem noch immer der Schock des soeben Erlebten in den Knochen saß. „Vielleicht ist das Rauch von verbrannten Flugzeugteilen, der vom Hydrauliköl eine grünliche Farbe hat?“ meinte Jansen. „Möglich, aber ich halte es nicht für einen Rauch“, sagte Huber, „das sieht aus, als ob es direkt aus dem Portal dort oben herauskommt.“ Obergefreiter Krüger war inzwischen vor dem steinernen Portal angelangt und ging direkt darauf zu. Als er den grünlichen Nebel am Boden erreichte, verschwand er urplötzlich vor den Augen seiner entsetzten Kameraden. Der Nebel war nicht so dicht als dass er hätte darin verschwinden können, nein, es war da nur eine wenige Zentimeter hohe Schicht am Boden. Aber Krüger er war einfach von einer Sekunde auf die andere nicht mehr da. Erschrocken wichen die drei anderen zurück und wussten nicht, was da vor Ihren Augen geschah. Sie riefen nach ihrem Kameraden, aber er blieb verschwunden. Es war einfach unglaublich. Schließlich fassten sie sich wieder und suchten in der Nähe des Wracks einen Platz für ein Nachtlager. Zuerst wurde noch Hubers Knöchel bandagiert, dann schliefen sie völlig erschöpft, die kurze Zeit bis zum Sonnenaufgang unter einem Felsvorsprung.

Krüger ging langsam weiter auf das alte Portal zu. Der grünliche Nebel am Boden war eigentlich nur eine dünne Dunstschicht. Er dachte sich nichts dabei, als er hindurch schritt. Dann stand er unmittelbar vor dem steinernen Portal. Davor lagen noch einige Felsblöcke und es war schwierig für ihn, sich dazwischen hindurchzuzwängen. Als er es endlich geschafft hatte und durch den Eingang ins Innere des Berges kam, stand er in absoluter Dunkelheit. Er hatte Angst, hier war etwas Unbekanntes, das er nicht einordnen konnte. Rasch nahm er sein Wehrmachts Feuerzeug aus seiner Fliegerjacke, es fiel ihm aus der zittrigen Hand. Er bückte sich und versuchte es zu im Finstern am Boden zu ertasten. Endlich spürte er das runde Metall zwischen seinen Fingern. Er hob es auf und zündete es an. Im Schein der flackernden, kleinen Flamme sah er, dass er sich in einem schmalen, roh behauenen Tunnel befand. Seine Neugier ließ ihn weitergehen. Am Ende des Ganges sah er ein lebensgroßes Relief, des altägyptischen Totengottes Osiris, in die Wand gemeißelt. Er drehte sich zur Seite und erschrak. Rechts an der Wand des Ganges war das Bild einer löwenköpfigen Gottheit in den Fels eingraviert und sah ihn mit grimmigen Augen an. Vor dem Osiris Relief konnte er gerade noch einen Steinwürfel, etwa so groß wie ein Tisch, sehen. Dann verlosch plötzlich die Flamme seines Feuerzeuges und es war stockdunkel um ihn. Er war nahe daran, in Panik zu fallen. Er musste schnell wieder hier hinaus. Krüger tastete sich vorsichtig im Finstern zurück zum Eingang. Er stolperte über einen Stein am Boden und fiel der Länge nach hin. Rasch raffte er sich wieder auf und lief in Richtung Ausgang. Von dort kam allerdings ein heller Schein und er war völlig überrascht, als er sah, dass es draußen bereits hell geworden war. Er war doch nur einige Minuten in dem Gang gewesen. War er etwa bei seinem Sturz bewusstlos geworden und stundenlang in der Höhle gelegen? Der Sonnenaufgang in der Wüste konnte mitunter recht schnell gehen, dachte er, noch dazu in dieser bergigen Gegend. Aber umso erstaunter war Krüger, nachdem er wieder aus dem Steinportal heraus gekrochen war, als er die Sonne hoch am Himmel stehen sah. Es musste also bereits Mittag sein.

Er hatte keine Erklärung dafür. Sofort machte er sich auf die Suche nach seinen Kameraden. Als sich auch auf sein lautes Rufen niemand meldete, suchte er nach Spuren seiner Freunde, aber außer dem dürftigen Grab von Feldwebel Berger war nichts zu entdecken. Das Wrack des Flugzeuges lag völlig ausgekühlt in der Nähe. In die zerstörte Kanzel der Maschine, war bereits Sand hineingeweht worden. Es sah so aus, als lägen die Trümmer dieses abgestürzten Jagdbombers schon seit Wochen hier. Krüger hatte nur seine Wehrmachts Feldflasche mit Wasser, ein Messer und sonst nichts bei sich. Er machte sich auf den Weg nach Westen in Richtung des Nils. Die Sonne war seine einzige Orientierungshilfe. Aber Krüger hatte Angst. Wie oft hatte er bei Feindflügen schon dem Tod ins Auge gesehen, drei Mal war er bereits, aus einem brennenden Flugzeug, mit dem Fallschirm abgesprungen und hatte stets unverletzt überlebt. Jetzt aber, hier in dieser menschenleeren Felswüste, war er in höchster Gefahr. Er wusste, wenn er nicht binnen einem oder höchstens zwei Tagen auf Menschen stieß, oder zumindest irgendwo Wasser fand, dann würde er in dieser einsamen Gegend umkommen und jämmerlich verdursten. Er rechnete sich selbst keine große Chance mehr aus. Krüger legte sich in den Schatten der überhängenden Felsen. Er wollte abwarten, bis die Sonne untergegangen war. In der Kühle der Nacht konnte er viel weiter marschieren, als in der Hitze des Tages. An die vielen, kleinen Felsen am Boden, welche ihm in der Dunkelheit beim Gehen arge Schwierigkeiten bereiteten, hatte er nicht gedacht. Doch Krüger hatte unheimliches Glück. Schon am nächsten Morgen kam er aus den bergigen Schluchten, über die Ausläufer eines Wadis, in die flache Sandwüste und dort entdeckte er ein Beduinen Zelt mit einem alten Araber. Dieser gab ihm Wasser und etwas zu essen. Am Abend erschien eine Gruppe Reiter beim Zelt und am nächsten Morgen nahmen sie Krüger, auf Ihren Pferden bis zum Nil mit, den sie nach zwei Tagen erreichten. Es fand sich dann auch rasch eine Fellukke, welche ihn bis nach Kairo bringen sollte. Wie damals, am Abend des Absturzes mit seinen Kameraden besprochen, wollte er über Ägyptens Hauptstadt quer durch die von den Alliierten besetzte Zone bis zu den deutschen Verbänden in Libyen durchkommen. Doch der blonde Krüger wurde nach seiner Ankunft in Kairo beim Versuch sich arabische Kleidung zu besorgen, von Engländern entdeckt und festgenommen. So geriet er in britische Gefangenschaft. Der Krieg war für den Obergefreiten Krüger zu Ende.

Als Leutnant Jansen erwachte, kam ihm alles vor wie ein böser Traum. Der Angriff auf den britischen Schiffskonvoi, der Fallschirmabsprung in dieser Bergwüste, der Tod von Unteroffizier Berger und schließlich das Verschwinden von Krüger vor dem alten Portal unter der Felswand. Sie untersuchten dann bei Tageslicht nochmals die Stelle an der Krüger verschwunden war, ohne aber der Pforte zu nahe zu kommen. Es lag immer noch ein grünlicher Dunst um den Eingang, obwohl er nicht mehr so deutlich zu sehen war, wie in der Nacht. Es war aber keine Spur vom Obergefreiten Krüger zu entdecken. Sie machten sich nun auf die Suche nach noch brauchbaren Utensilien in den Überresten des abgestürzten Flugzeuges. Eine Tasche mit Kartenmaterial war beim Aufprall aus der Maschine geschleudert worden, alles andere war verbrannt. „Wir sind hier am Gebel Semmna und der Nil ist weit über einhundert Kilometer entfernt. Wasser haben wir für einen Tag. Wenn wir ins Niltal wollen, müssen wir zuerst durch eine unwegsame, bergige Felswüste“, sagte Jansen zu seinen Kameraden, nachdem er die Landkarte studiert hatte. Er wusste, ohne Wasser war es für sie unmöglich, diese Distanz zu schaffen. „Aber hier, in den Bergen, im Süden, sind einige Brunnen oder Wasserstellen eingezeichnet. Dorthin zu gelangen würde aber einen Umweg von zwei Tagen bedeuten“, Jansen reichte die Karte den Kameraden. „Und was ist, wenn diese Brunnen versandet sind, oder gar nicht mehr existieren?“ Feldwebel Körner schien eher Zweifel zu haben. „Meiner Meinung haben wir gar keine Alternative, wir müssen die eingezeichneten Brunnen suchen.“ „Ich schließe mich der Meinung unseres Kapitäns an“, sagte Huber, dessen verstauchter Knöchel ihm noch immer starke Schmerzen bereitete. Um keine Zeit zu verlieren machten die drei sich auf den Weg.

Mit dem verletzten Gefreiten Huber kamen sie nur langsam voran, erreichten aber nach achtstündigem Marsch in der prallen Sonne, tatsächlich eine Ruinensiedlung mit einem versandeten Brunnen, um den aber ein paar kleine Bäume standen. Mit bloßen Händen und mit Steinen, gruben sie abwechselnd und fanden schließlich in geringer Tiefe das dringend benötigte Wasser. So ähnlich erging es Ihnen auch am nächsten Tag, bis sie am dritten Tag zu einem Ruinenfeld aus der Pharaonenzeit kamen. Mittendrin war ein großer, tiefer Brunnen mit einem Abgang, der sich nach unten rund um den Brunnenschacht wand. Sie stiegen die steilen, in den Fels gehauenen Stufen hinunter. Alle paar Meter war an der Innenseite des Abganges ein kleiner Durchbruch in den Schacht, durch welchen spärlich das Licht in den Gang schien. Am Grunde angelangt, fanden sie tatsächlich frisches Wasser. Nachdem sie ihre Wasservorräte wieder ergänzt hatten und das Nachtlager aufgeschlagen war, erkundeten die drei noch die Umgebung des Brunnens. Was sie da sahen, war erstaunlich. Die Felswände in der Umgebung waren über und über mit antiken Zeichnungen, Reliefs und Hieroglyphen verziert. Sie waren offensichtlich, ohne es zu wissen, seit ihrer Absturzstelle einem uralten Pharaonenpfad gefolgt und hatten nun die Überreste einer Siedlung aus der damaligen Zeit gefunden.
Ganz in der Nähe fanden sie am nächsten Tag eine Schotterstrasse nach Westen, welche bis in die Ebene des Niltales führen müsste. Immer wieder kamen ihre Gespräche auf das rätselhafte Verschwinden von Krüger. Was war da vor zwei Tagen wirklich passiert? Falls sie wieder nach Hause kommen sollten, wie wollten sie dann das Ganze erklären. Wer würde ihnen schon Glauben schenken? Doch um darüber nachzudenken, dazu hatten sie jetzt keine Zeit. Hubers Knöchel hatte sich etwas gebessert und sie kamen nun auch rascher voran. Die Berge der schroffen Felswüste hatten sie hinter sich gelassen. Eine schier unendliche Schotterlandschaft, mit einigen angewehten Sandflecken durchsetzt, lag da vor ihnen. Aber immerhin war da zumindest ein Weg, dem sie folgen konnten. Nach Jansens Karte, sollte er direkt zu einer Stadt, in der Nähe des Nils führen.
Vielleicht würden sie auf ihrem Marsch sogar auf Menschen treffen. Tatsächlich stießen sie am Nachmittag auf eine kleine Beduinen Karawane mit einigen Kamelen, welche sie bis an den Nil mitnahm. Dort war dann die kleine Stadt, mit Namen Kift. Sie war zu unbedeutend für die Engländer, um hier einen dauerhaften Kontrollposten zu errichten.

Es drohte ihnen deshalb auch keine Gefahr von dieser Seite und die Araber waren freundlich und hilfsbereit. Diese einfachen Bauern dort wussten kaum, ob Briten oder Deutsche die Besatzer waren. Die drei beschafften sich von den Einheimischen arabische Kleidung, um im Falle eines Kontaktes mit Engländern nicht sofort als Deutsche erkannt zu werden.
Ein alter Kapitän, eines ebenso betagten Segelkahnes, mit welchem er mit Hilfe des Nordwindes von Kairo aus verschiedene Güter nach Oberägypten brachte, erklärte sich bereit, die Soldaten bis nach Kairo mitzunehmen. Als sie nach zwei Tagen zur Stadt Assyut kamen, stockte ihnen fast der Atem. Ganz nah glitt ihre Fellukke an einem englischen Kanonenboot vorbei. Doch auf Grund ihrer Beduinen Kleidung nahm niemand von ihnen Notiz. Unbehelligt erreichten sie nach sechs Tagen Kairo und konnten sich mit viel Glück in den darauf folgenden Wochen, durch die Sandwüste abseits der Verkehrswege bis nach Tobruk in Libyen durchschlagen, wo sie auf eine Panzer Einheit des deutschen Afrikakorps stießen und somit in Sicherheit waren. Ihr Bericht über das Verschwinden ihres Kameraden am „Gebel Semmna“, wurde dort mit äußerster Skepsis aufgenommen und eine entsprechende Depesche an den Heeres Nachrichtendienst übermittelt.

Kapitel 2

Deutschland / Obersalzberg - November 1941

Ein eisiger Nordwestwind jagte über die Terrasse des Berghofes. Im Inneren des luxuriösen Domizils Hitlers, am Obersalzberg bei Berchtesgaden, im äußersten Süden Deutschlands, spürte man freilich nichts von der klirrenden Kälte, die draußen herrschte. Der Führer stand vor dem riesigen versenkbaren Fenster und schaute gedankenverloren auf den Untersberg hinüber. Die düsteren Wolken über dem Gebirge kündeten weitere Schneefälle an. Himmler, der Reichsführer SS betrat das große Arbeitszimmer. „Mein Führer, wir haben soeben eine interessante Mitteilung vom Heeres Nachrichten Dienst, betreffend die Panzergruppe Afrika erhalten. Dort in Tobruk sind am 30. Oktober drei Männer der Besatzung einer vermissten HE111 vom 26. Kampfgeschwader aufgetaucht. Der Kommandant der Maschine, ein gewisser Leutnant Jansen, hat eine haarsträubende Geschichte über einen verschwundenen Obergefreiten erzählt. Der Mann soll in einem grünen Nebel gegangen und plötzlich weg gewesen sein. Seine beiden Kameraden konnten dieses Vorkommnis allerdings bestätigen. Das Ganze soll sich bei einem Felsportal in den Bergen der ägyptischen Ostwüste zugetragen haben.“ „Grüner Nebel, ein verschwundener Soldat?“ Hitler starrte noch immer aus dem Fenster. „Das erinnert mich an die Geschichten vom Untersberg, hier soll so etwas ja früher auch schon vorgekommen sein.“
„Suchen Sie den fähigsten Mann für eine Fahrt durch die Libysche Wüste und schicken Sie zwei Agenten zu diesem Steinportal. Ich will wissen was dort los ist und ob dort etwas versteckt ist.“ Himmler der selbst auch neugierig war, ob an dieser Sache etwas dran sei, streckte die rechte Hand zum Gruß aus und mit einem „Jawohl, mein Führer“, verließ der den Raum. Hier am Obersalzberg, hatte sich Hitler eine feudale Alpenfestung mit zahlreichen Bunkeranlagen errichten lassen. Ihn hatte schon vor vielen Jahren diese idyllische Berggegend in der Nähe von Salzburg in ihren Bann gezogen.

Doch es war nicht nur seine Vorliebe für die Berge, er war auch von den mystischen Erzählungen der germanischen Geschichte, die auch den Untersberg einschloss, zutiefst angetan. Insbesondere die Legende um den heiligen Gral, wie sie auch der Komponist Richard Wagner in seinem Stück “Parzifal“ darstellte, waren für ihn von großem Interesse. Diese Überlieferungen bewogen Hitler, nach dem heiligen Gral, dem Schatz der Templer, suchen zu lassen. Im Reichsführer SS, Heinrich Himmler, hatte er einen treuen Vasallen gefunden, welcher von mystischen Dingen ebenso angetan war, wie er selbst. Seine Suche im Jahre 1939 konzentrierte sich auf Südfrankreich. Dort in den Pyrenäen, am Montsegur, befand sich früher die größte Burg der Tempelritter. Der unermessliche Reichtum und die Macht des Templerordens, der ja seit der Eroberung Jerusalems im Jahre 1120 im Besitze dieses Grals sein sollte, war der Kirche im Mittelalter ein Dorn im Auge. Die Burg am Montsegur und viele andere Stätten der Templer wurden daher von der Inquisition zweihundert Jahre später zerstört und in der Folgezeit fast alle Tempelritter hingerichtet. Jener geheimnisumwobene Gegenstand, der Gral, wurde hingegen nie gefunden. Aber auch in der Nähe seines Berghofes am Obersalzberg gab es etwas, das den Führer geradezu magisch anzog. Der Untersberg, zwischen Berchtesgaden und Salzburg gelegen, welcher im Norden als letzter einzelner Gebirgsstock der Kalkalpen, wie eine dreieckige Speerspitze gegen Osten ragte. Um diesen Berg rankten sich zahlreiche Geschichten und Mythen von Zeitverschiebungen, Erscheinungen, grünem Nebel und einem wundertätigen Stein, der im Berg verborgen sein sollte. Hitler ließ daher diesen Berg, so gut es ging unberührt und verhinderte sogar, dass eine Seilbahn zu seinem Gipfel hinauf gebaut wurde. Auf der Terrasse seines Hauses hatte er ein Teleskop aufgebaut, mit welchem er, so oft es seine Zeit erlaubte, den Untersberg betrachtete.

Hitler kannte natürlich auch die alte, überlieferte Geschichte aus dem dreizehnten Jahrhundert. Ein Kreuzritter sollte damals einen schwarzen Stein aus dem Orient zum Untersberg gebracht und dort in einer Höhle versteckt haben. Der Ritter hatte in den Ruinen von Ninive in Mesopotamien eine Vision – Eine weibliche Erscheinung, welche später „Isais“ genannt wurde. Sie wies ihn an, einen runden, schwarzen Stein den sie ihm zeigte, zum „Berg des alten Gottes“ in seiner Heimat zu bringen und dort in einer Höhle tief im Inneren des Berges zu verstecken. Der Kreuzritter erkannte in dem beschriebenen Ort den Untersberg bei Salzburg und brachte nach einer langen Fahrt diesen schwarzen Stein zum Berg. Er fand ein sicheres Versteck in Form einer kleinen, verborgen gelegenen Höhle und deponierte dort ihn dort. Er ließ eine Komturei, ähnlich einem kleinen Kloster, in der Nähe des Versteckes errichten. Diese wandelte sich nach einigen Jahrhunderten zu einer katholischen Wallfahrtskirche. Insbesondere deshalb, weil sich dort immer wieder Erscheinungen der „Isais“ zeigten. Isais wurde jedoch von der christlichen Bevölkerung für eine Erscheinung der heiligen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, gehalten. Seit dieser Zeit kursierten dann auch Sagen und Erzählungen über verschwundene Menschen in dieser Gegend. Diese Leute tauchten dann oft erst nach langer Zeit wieder auf und behaupteten, sich nur kurz in einer der unzähligen Höhlen des Berges aufgehalten zu haben. Viel später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Wien sogar ein Kreis zur Erforschung dieser Isais Geschichte gegründet und nannte sich: „Die Herren vom schwarzen Stein“. Auch ein Orden mit Sitz in Venedig, auf der Insel Murano, der „Ordo Bucintoro“ befasste sich intensiv mit diesen Vorkommnissen und war angeblich im Besitz von alten Dokumenten und Gegenständen, welche all diese Geschehnisse erklären sollten.

Konnten diese Dinge etwas mit dem Stein, welcher der Sage nach im Untersberg versteckt sein sollte, zu tun haben? Und würde es sich bei diesem Phänomen in Ägypten auch um so einen Stein handeln, der vielleicht der Auslöser für das Verschwinden des Soldaten war? Dieser Sache sollte so rasch als möglich nachgegangen werden, denn Hitler wollte den Stein, würde es dort in Ägypten wirklich auch einen geben, um jeden Preis haben. Hitler schaute noch immer zum Untersberg hinüber, er musste an seinen väterlichen Freund und Mentor, Dietrich Eckart denken. Der Führer erinnerte sich, dass Eckart bis zu seinem Tode auch so einen runden, schwarzen Stein besessen hatte, welchen er „meine Kaaba“ nannte und den für einen Meteor hielt. Hitler wusste zu wenig von Eckarts Stein und auch nicht, was damit später geschah. Fragen konnte er seinen Freund nicht mehr, denn Eckart war schon seit fast zwanzig Jahren tot. Aber möglicherweise gab es da einen Zusammenhang zwischen diesen Steinen und seltsamen Phänomenen. Himmler hatte mittlerweile schon einen geeignet scheinenden Mann im Visier. Leutnant Almasy, ein ehemals ungarischer Graf, Testpilot und Wüstenforscher, der die ägyptische Sahara so gut wie kein anderer kannte, wurde von ihm ausgewählt zwei deutsche Agenten über Libyen bis an den Nil bei Assyut in Mittelägypten, zu bringen. Die beiden sollten sich anschließend alleine bis zum Fuße des mächtigen „Gebel Semmna“ vorarbeiten und das, was hinter diesem steinernen alten Eingang am Fuße des Berges war mitnehmen und nach Deutschland transportieren. Zwei U-Boote wurden sofort in Marsch gesetzt. Sie sollten die beiden Männer nach dem Ende ihrer Mission, an der Küste des Roten Meeres aufnehmen und in einer langen Fahrt rund um Afrika wieder zurück nach Deutschland transportieren. Eine Rückkehr der zwei Agenten durch Ägypten, schien auf Grund der Gefahren durch die dort stationierten britischen Truppen zu gefährlich.

Kapitel 25

Die Bleizylinder

Endlich kam auch in den Alpen das Frühjahr, der Schnee war von den Hängen des Untersberges größtenteils verschwunden und die drei Monate, nach denen das nächste Treffen, mit den SS Leuten im Berg, stattfinden sollte, waren auch vorübergegangen.
Linda und Wolf fuhren mit dem Jeep, soweit es der Weg zuließ, den Untersberg hinauf und nachdem sie die Felswand mit der Türe erreicht hatten, genügte ein kurzer Ruf und der Obersturmbannführer Weber war schon zur Stelle. „Guten Morgen“, begrüßte er die beiden, „der General kommt gleich.“ „Guten Morgen ist gut“, meinte Wolf, „drei Monate waren wir nicht mehr hier.“
Als der General herauskam, hatte er bereits die angekündigten Karten dabei. „Die Zeitverlangsamung in der Station hat sich wieder normalisiert. Wieso konnten Sie das wissen? Sie haben es uns ja damals, als wir zum Obersalzberg gefahren sind gesagt.“ Wolf zuckte nur mit den Achseln und meinte, „Dann ist ja bei Ihnen wieder alles im Lot.“ „Es hat für mich den Anschein, als wüssten Sie mehr als Sie sagen“, meinte Kammler. „Herr General, ich glaube das beruht auf Gegenseitigkeit“, gab Wolf schmunzelnd zurück. Kammler überlegte noch einen Augenblick und sagte, „Wie Sie mir bereits erzählt haben, sind Sie ja Pilot, es wird am Besten sein, Sie fliegen selbst mit einer kleinen Maschine direkt auf die Kanaren Insel. Sie werden daher auch nicht die üblichen Kontrollen über sich ergehen lassen müssen, als wenn Sie als Tourist reisen würden.

Der Eingang zur Höhle liegt im Süden von Fuerteventura. Er ist in einem Landhaus. Sie sehen auf den Karten, welche Sie von mir erhalten werden, alles genauestens eingezeichnet. Wenn Sie dort in dem Haus angelangt sind, gehen Sie vom Erdgeschoß in den Keller, dort befindet sich eine schwere Eisentüre, hinter der ein Gang ist der zu einer Wendeltreppe führt. Die müssen Sie hinuntergehen. Diese Stiege mündet in eine sehr große, natürliche Lavahöhle. Am Ende der Treppe geht rechts ein gemauerter Gang tief in den Berg. Sie kommen dann an eine Wand, an der sich Platten mit verschiedenen Symbolen befinden. Die Platte mit dem Zeichen der ägyptischen Göttin Sechmet müssen sie fest drücken, dann sollte sie sich öffnen lassen und einen kleinen Schacht freigeben. Darin befinden sich die beiden Bleizylinder. Drücken Sie aber auf keinen Fall eine der anderen Platten. Das hätte katastrophale Folgen für Sie und könnte Ihren Tod bedeuten. Ich hoffe, dass Sie alles noch so vorfinden werden, wie es vor einem Jahr, pardon, vor fünfundsechzig Jahren, errichtet wurde. Es gibt noch einen zweiten Eingang in die Lavahöhle, der liegt um gut sechzig Meter tiefer, am Rand eines künstlich aufgeschütteten Hügels. Dort wurden die Maschinen und Geräte für die unterirdische Versuchsanlage hineingebracht. Bis dorthin müsste demnach auch eine befestigte Zufahrt sein. Ich weiß nur, dass es zumindest diesen zweiten Eingang gibt, möglicherweise sind noch weitere Notausgänge vorhanden. Ich kann Ihnen aber nicht mehr dazu sagen.“ Mit diesen Worten übergab er Wolf die Karten, auf denen alles, bis ins Detail, eingezeichnet war. Es waren vier Karten.

Die erste war eine Navigationskarte für Flugzeuge, wie Wolf als Pilot unschwer erkennen konnte. Man sah darauf Südspanien, Gibraltar, die nordafrikanische Küste, Cap Juby und die Kanarischen Inseln. Eine Kurslinie für Flugzeuge, mit den notwendigen Grad Angaben, war darin eingezeichnet. Am südlichen Ende der Insel Fuerteventura, direkt an der Atlantikküste, war auf der zweiten Karte ein Flugfeld zu sehen. Der dritte Plan zeigte die Halbinsel Jandia, mit der wüstengleichen Dünenlandschaft, als nördlichen Abschluss zur übrigen Insel. Es war ein Fahrweg vom Flugplatz eingezeichnet, der über einen steilen Pass hinunter, am Berghang entlang, führte. Dort stand ein Gebäude, das Landhaus und dieses war auf dem vierten Plan im Detail dargestellt. Wolf nahm die Karten, schaute den General etwas misstrauisch an und sagte, „Ich werde alles Nötige vorbereiten und melde mich dann nochmals vor dem Abflug bei Ihnen. Hier habe ich noch etwas für Sie“, mit diesen Worten übergab er Kammler ein Handy, samt Bedienungsanleitung, Reserve Akku und einem Ladegerät. Das ist ein Wertkarten Telefon, damit können Sie uns jederzeit erreichen. Ich habe es mit einem Guthaben von vielen hundert Stunden Gesprächsdauer aufgeladen. Es funktioniert anonym. Sie müssen dazu aber aus der Station herausgehen. Oben vom Untersbergwald aus, haben Sie überall eine ausgezeichnete Verbindung. Unsere Telefonnummern sind bereits eingespeichert. Aber wenn sie es benutzen, dann gehen Sie ein Stück vom Eingang der Station weg, sie könnten damit theoretisch angepeilt und geortet werden.“ Kammler blickte misstrauisch auf das kleine Mobiltelefon, und wandte sich nochmals an Wolf, „Was ich Ihnen noch sagen wollte, wenn Sie die Bleizylinder geborgen haben, dann fahren Sie am besten damit gleich zum Flugfeld an der Südspitze der Insel. Verstecken Sie sie dort gut und holen Sie die Dinger bei Ihrem Rückflug mit dem kleinen Flugzeug von dort wieder ab. Die Zylinder könnten ansonst bei einer etwaigen Kontrolle auf dem großen Airport entdeckt werden“.

Der General hatte recht mit der Kontrolle, auch Piloten von Privatflugzeugen mussten auf allen großen Flughäfen einen Metalldetektor passieren. Aber wie sollte er ohne Erlaubnis auf der alten Piste im Süden landen. General Kammler stellte sich das wirklich einfach vor, früher ging das vielleicht, aber heute? Wolf würde sehen, was sich machen ließ. Kammler bedankte sich noch für das Handy, sie verabschiedeten sich und die beiden machten sich an den Abstieg. „Glaubst Du, dass die mit dem Telefon umgehen können?“ fragte Linda. „Warum nicht, es ist ja schließlich eine deutsche Anleitung dabei und normalen Strom zum Aufladen des Akkus haben sie ja auch in ihrer Station“, meinte Wolf, als sie den Pfad im steilen Bergwald wieder hinuntergingen. Bevor die beiden nach Hause fuhren kehrten sie noch in den großen Gasthof am Fuße der Untersberges ein. Linda setzte sich an ihren Lieblingstisch mit dem grünen Kachelofen und sagte, „Traust Du Dir diesen Flug nach Fuerteventura alleine zu? Ist Dir das nicht zu weit? Das musst Du alles selber fliegen.“

„Wir sind doch schon öfters große Strecken geflogen“, sagte Wolf und rechnete im Kopf nach „Diesmal werden es so an die zweitausend nautischen Meilen sein, das dürften dann ungefähr zwanzig Stunden Flugzeit für eine Strecke werden. In drei Tagen ist das absolut zu schaffen.“ Der Blick von Linda verhieß nichts Gutes, „Drei Tage hin und drei Tage zurück, glaubst Du, ich möchte meine Osterferien in der engen Cessna verbringen?“ „Wenn Du es schneller haben möchtest, dann müssten wir schon ein Düsenflugzeug haben, aber ich werde Dich dafür mit einem sehr schönen Hotel in Fuerteventura entschädigen.“ Das Erste, was Wolf zuhause einfiel, war, Franz dem Hotel Manager in Ägypten, eine Mail zu senden, ob er ihm für diese Reise nach Fuerteventura im dortigen Sheraton Hotel eine Suite zu einem erschwinglichen Preis vermitteln könnte. Danach begann er mit den Vorbereitungen für den Flug auf diese Kanareninsel. Er hatte zwar schon öfters größere Flüge mit der kleinen Cessna durchgeführt, aber diesmal nur mit Linda alleine und noch dazu sozusagen in „geheimer Mission“, würde es sicher anstrengender werden.

Kapitel 28

Die Lavahöhle

Es waren nur einige Meter bis zum Boden. Unten angekommen, holten sie sich ihre Stirnlampen aus dem Flugkoffer. Mit gemischten Gefühlen folgte Linda Wolf in die Finsternis. Ein kurzer Gang führte einige Meter bergwärts und mündete in eine Art sauber betonierter Halle, in welcher ein großer Dieselgenerator stand. Die grau lackierte Maschine war optisch in einem erstaunlich guten Zustand. Kaum zu glauben, dass dieser Generator schon über siebzig Jahre hier stehen sollte. Sogar Öl war noch in den Schaugläsern, oben am Generator. Rechts am Ende des Raumes, ging es in einen höhlenartigen Gang über viele Gitterrost Stufen immer tiefer nach unten. Es musste früher eine Beleuchtung in diesem unterirdischen System gegeben haben, was sauber verlegte Stromleitungen, vereinzelte Scheinwerfer und Schalter an den Wänden zeigten. Im fahlen Schein ihrer Lampen erreichten sie schließlich eine Wendeltreppe, welche in einem großen Schacht hinunterführte, dessen unteres Ende, sie selbst mit Wolfs starker Handlampe nicht ausmachen konnten. Sie gingen weit über einhundert Stufen diese Wendelstiege hinunter, als sich der Schacht plötzlich zu einer gewaltigen Lavahöhle erweiterte. Endlich, unten angekommen, sahen sie auf der linken Seite einige, verschlossene Türen in betonierte Stolleneingänge. Der Armband Strahlungsmesser von Wolf piepste und signalisierte damit eine deutliche Zunahme der Radioaktivität. Nach rechts ging ein gemauerter, offener Stollen, so wie ihn Kammler beschrieben hatte.

„Na, was sagst Du jetzt? Alles so, wie es der General gesagt hat.“ Nachdem Sie ungefähr zwanzig Meter weitergegangen waren mündete der Gang in einen großen Raum, in welchem sich tatsächlich die plattenförmigen, hervorstehenden, Türchen, wie Schließfächer, an der linken Seite befanden. „Dann wollen wir jetzt das Postfach mit der Katzengöttin suchen“, sagte Wolf. „Das ist keine Katze, das ist Sechmet, die löwenköpfige Kriegsgöttin, welche den Hauch des Todes bringt“, sagte Linda beinahe beschwörend und so leise, als sollte es niemand hören, „damit solltest du keine Späße machen“. Sie drehte sich um und leuchtete mit ihrer Lampe die rechte Seite des Raumes ab. „Schau, da!“ sie stieß einen Schrei aus und stolperte rückwärts gegen die Wand mit den Platten. Wolf drehte sich auch um und sah da im Schein seiner Lampe zwei menschliche Skelette liegen. An den, noch nicht verrotteten, Uniformen war zu erkennen, dass es sich um Soldaten gehandelt haben musste.
Linda war vor Schreck mit ihrem Rucksack gegen eine der hervorstehenden Platten gestoßen, die nun herunterfiel und zerbrach. Aus der freigegeben Öffnung rollte ein kleiner, runder Gegenstand heraus und landete genau zu Lindas Füßen. „Schnell, leg Dich auf den Boden!“ Wolf bückte sich geistesgegenwärtig und warf die Handgranate mit aller Kraft in den Gang zurück. Dann ließ er sich auf den Boden fallen. Die Detonation in der Höhle war fürchterlich. Überall stürzten Felsbrocken und Betonstücke herunter. Eine sich rasch ausbreitende Staubwolke verdüsterte den Raum. Das Atmen fiel den beiden schwer.

Ein ohrenbetäubendes, metallisches Knirschen und Scheppern erfüllte die Höhle. Dann war Totenstille. Als sich der Staub schließlich gesenkt hatte, stand Linda wieder auf. Sie zitterte am ganzen Leib. „Das hätte schlimm für uns ausgehen können“, sagte Wolf, „Du weißt ja, Kammler hatte uns ausdrücklich davor gewarnt ein anderes Fach zu öffnen. Wahrscheinlich hat es die beiden da“ und er deutete dabei auf die Skelette, „auch auf diese Weise mit einer Handgranate erwischt. Eine recht effektive Art, etwas zu sichern. Wenn wir nicht die Warnung vom General gehabt hätten, dann wären wir jetzt vielleicht auch tot“.
Linda saß der Schreck noch in den Knochen, als sich Wolf wieder der Wand mit den Platten zuwandte. Linda entdeckte als erste die Stelle, auf welcher die Kartusche, das Siegel der ägyptischen Göttin Sechmet zu sehen war. Es war eher unauffällig und klein. Aber es war deutlich zu identifizieren, wenn man wusste wonach man suchen musste. Auch das kleine Loch in der Mitte der Platte war da. Wolf zögerte, schob aber dann den Schlüssel von Kammler in die Öffnung der Platte und verdrehte ihn. Ein kurzer fester Druck auf die Türe und dann fest am Griff des Schlüssels angezogen. Ohne weiters ließ sich das Fach öffnen. Vorsichtig legte der die Sechmet Platte auf den Boden und leuchtete mit seiner Lampe in den kleinen Schacht hinein. Drinnen befanden sich die zwei Bleizylinder, von denen Kammler gesprochen hatte. Ja, sie waren noch da. Nach über siebzig Jahren. Dem Durchmesser nach wie eine Bierflasche und etwa fünfundzwanzig Zentimeter lang. Sie waren auch nicht besonders schwer, also dürfte das Bleirohr auch keine allzu große Wandstärke haben. Der Geigerzähler zeigte an den Rohren absolut keine Erhöhung der Strahlung an. Falls sich im Inneren etwas Radioaktives befunden hätte, würde es von dem empfindlichen Gerät in jedem Fall angezeigt werden. „Wir nehmen jeder einen Zylinder“, sagte Wolf und gab Linda auch ein Bleirohr, welches sie in ihrem Rucksack verstaute. „Jetzt freu ich mich schon wieder, wenn wir hier raus sind, für heute habe ich nämlich genug erlebt“, meinte Linda. „Ja, ich auch, aber für die Wendeltreppe werden wir sicher eine halbe Stunde brauchen, aber dann gibt es einen Toast und ein Bier in der Cofete Bar“, sagte Wolf.

Sie gingen durch den betonierten Gang zurück zur Lavahöhle. Bei der Wendelstiege angekommen erstarrten die beiden vor Schreck. Der Tragholm, um den sich die Auftrittsstufen wanden, war durch die Explosion der Handgranate unten an der Basis abgerissen und geknickt worden. Die Granate musste direkt am Holm detoniert sein Dadurch war ein drei Meter hohes Segment der Treppe heruntergefallen und an ein Hinaufkommen war jetzt nicht mehr zu denken. „Wir sind hier unten gefangen, eingesperrt und die beiden Spanier wissen nicht einmal, dass wir hier sind. Es wird uns auch keiner suchen. Und falls überhaupt irgend jemandem, der Landrover an der Friedhofsmauer unten am Meer auffällt, dann würde er glauben, wir wären spazieren oder schwimmen“. Linda stammelte diese Sätze in einem Anflug von Klaustrophobie. „Und wie lange werden unsere Taschenlampen noch leuchten? Haben wir Reservebatterien dabei?“ „Ich bin auch nicht glücklich darüber, dass ich die Treppe gesprengt habe, aber der General hat doch etwas von einem zweiten Eingang gesagt, den sollten wir suchen. Batterien habe ich noch welche dabei, wir werden jetzt aber trotzdem nur noch eine Taschenlampe verwenden, wer weiß wie lange es dauert bis wir diesen Ausgang gefunden haben.“

Die Türen an der linken Wand der Lavahöhle waren alle verschlossen und es sah auch nicht danach aus, als lägen dahinter Ausgänge. Sie wirkten eher wie Lagerräume und eine spezielle Türe mit ein paar undefinierbaren Symbolen glich am ehesten einem Laborzugang. Rechts zweigte ein roh behauener Gang ab, der geradewegs und ohne Steigung in die Dunkelheit führte. Auch hier waren an den Wänden Stromleitungen und Lampen angebracht. „Ich habe da eine Vermutung, wenn mich meine Orientierung nicht täuscht, dann führt dieser Stollen in Richtung Cofete. Tief genug heruntergegangen wären wir ja schon, in ein paar hundert Metern sollten wir in der Nähe der Bar sein.“ Schweigend gingen die zwei in dem absolut geraden Gang dahin. Nach einer Viertelstunde war im Lichtkegel von Wolfs Lampe eine gemauerte Wand zu sehen. Das war aber keine Betonwand, wie zuvor in der großen Lavahöhle. Nein, das waren moderne Betonziegel und stammten aus neuerer Zeit. Sie mussten sich also tatsächlich unmittelbat bei der Bar in Cofete befinden. Der zweite Eingang zu dem Labyrinth war aber offensichtlich nach dem Krieg zugemauert worden. „Wir werden hier jämmerlich umkommen, hätte ich mich doch nicht darauf eingelassen, mit Dir auf diese Insel zu fliegen.“ „Wenn die hier damals vor Kriegsende, so eine aufwendig gebaute Station hatten, dann gab es bestimmt mehrere Ausgänge. Wir gehen jetzt einfach weiter. Schau, dort vorne geht es nach rechts“. Und deutete dabei auf eine, im Licht der Taschenlampe kaum sichtbare Abzweigung. Sie mussten nur ein paar Meter gehen, da standen sie wieder vor einer Wendeltreppe, gleich der, oben bei der Villa Winter. „Keinen Schritt mache ich mehr, ich gehe da nicht hinunter, wer weiß wo wir da noch hinkommen. Ich werde lieber an die Betonziegelwand klopfen, vielleicht hört uns irgendwer“.

Ich halte das für Kräfte Verschwendung, womit willst Du eigentlich klopfen, mit den Händen? Glaub mir, es gibt sicher noch einen anderen Ausgang.“ Linda hatte mittlerweile Ihre Taschenlampe auch wieder angeschaltet. Er ging zur Wendelstiege, auch hier konnte er mit seiner starken Lampe das untere Ende nicht sehen. Widerwillig folgte ihm Linda. Noch einmal waren es über einhundert Stufen, als sich ihnen, unten angekommen, eine große Naturhöhle auftat. Doch auch hier war es ähnlich wie oben in der Lavahöhle mit den vielen Türen. Von Ferne hörten sie ein leises Rauschen oder Plätschern. Sie folgten dem einzigen Weg. „Das Meer, das ist das Meer!“ rief Wolf. „Tief genug müssten wir in der Zwischenzeit schon heruntergestiegen sein, so an die einhundert Meter Höhenunterschied.“ Das Rauschen wurde zunehmend lauter und Linda glaubte bereits das Meerwasser zu riechen. Ein kleiner Gang zweigte nach rechts ab. Wolf ging aber geradeaus weiter, dem Geräusch des Wassers folgend. Nach einer Minute mündete der Stollen in eine Art riesige Lavahöhle mit einer Kaimauer, wie ein unterirdischer, kleiner Hafen. Im schwachen Licht ihrer Lampen konnten sie rechts an der Betonmauer ein altes U-Boot sehen. Das Boot war mit dicken Stahltrossen an die Mauer gebunden. Zwischen Schiff und Beton waren starke Holzbohlen, oder zumindest die Reste davon zu sehen.

Das U-Boot schwamm noch, und das nach fünfundsiebzig Jahren. „Das ist einer der Ausgänge“, meinte Wolf, „das Boot ist hier ja auch hereingefahren, also muss es da auch einen Ausgang geben“. „Ja, aber falls Du es noch nicht bemerkt hast, das ist ein U-Boot und U-Boote fahren auch unter Wasser. Wir können aber, sollte der Ausgang tatsächlich noch intakt sein, nicht so weit tauchen. Wahrscheinlich ist der Unterwasserkanal hier in diese Höhle herein aber ohnehin versandet. Wir müssten ja sonst einen Lichtschimmer sehen“. „Das vermute ich auch, das Wasser hier ist viel zu ruhig, deshalb ist auch das Boot noch schwimmfähig“ „Schau Linda! Da vorne, dreh Deine Lampe aus!“ Wolf zeigte auf einen kleinen Lichtstrahl, welcher am Ende des U-Bootes auf das Wasser fiel. „Woher kommt das?“ Linda schöpfte jetzt wieder etwas Hoffnung. „Siehst Du die Eisenleiter dort hinten an der Wand? Die verschwindet nach oben in einer Öffnung an der Höhlendecke über dem Wasser. Das könnte eine Art Notausgang sein. Von dort oben kommt das Licht herein. Wir müssen uns also direkt unterhalb des Strandes befinden“.

„Ja, aber die unteren Stufen der Eisenleiter sind vom Salzwasser zerstört worden. Erst weiter oben sehen sie wieder so aus, als ob sie in Ordnung wären“. „Du hast Recht, dann versuchen wir es eben vom Boot aus, es ist hoch genug“.
„Wie sollen wir vom Boot zu der Leiter rüberkommen, das sind mindestens zwei Meter?“ „Wir nehmen den Steg hier“, Wolf deutete auf den, an der Mauer liegenden Übergang zum U-Boot. Sie legten das Teil auf das Boot, kletterten hinüber und trugen die kleine Brücke an das Heck des Schiffes. Sie war gottlob nicht schwer und Wolf konnte sie mit Schwung auf einem intakten Bügel der Leiter aufstützen. „Ich halte jetzt das Ding und Du kletterst hinüber und steigst gleich die Leiter hoch“. Linda war das nicht ganz geheuer und etwas zaghaft kroch sie den Steg schräg nach oben, hinauf zur Leiter. In diesem Moment bewegte sich das schwere Boot einige Zentimeter zurück, der Steg schwankte, Linda taumelte, rutschte auf dem glatten Holz nach hinten. Sie schrie kurz auf und fiel die drei Meter hinunter ins pechschwarze Wasser. Wolf musste den Übergang festhalten, damit dieser nicht auch noch ins Wasser fiel und die inzwischen wieder aufgetauchte Linda traf.

Sie schwamm im fahlen Licht von Wolfs Lampe am dunklen Rumpf des U Bootes entlang zurück zur Kai Mauer. Dort führte eine Treppe vom Wasser auf die Kaimauer hinauf. Wolf holte die triefende Linda mittschiffs ab, half ihr an Bord und bei ihrem zweiten Versuch den Steg hinüber zur Leiter zu überqueren, klappte es dann. Wolf hatte sich seinen Flugkoffer am Gürtel seiner Hose angebunden damit er beide Hände frei hatte. Dann kroch er ebenfalls über den hölzernen Steg. Die zwei kletterten die Steigbügel empor, welche wie in einem Kanalschacht, etwa zehn Meter nach oben führten. Es war ein winziger Spalt, durch den das Tageslicht hereinfiel. Die Leiter hörte auf einem Betonpodest auf. Ein kleiner, sehr niedriger Raum war am oberen Ende des Schachtes. An der Decke war eine Betonplatte welche aber nur von innen geöffnet werden konnte. Ein Eisenstab fungierte als Drehriegel. Er war zwar verrostet, aber auf Grund seiner Länge von über einen Meter konnte ihn Wolf ohne große Mühe verdrehen und öffnen. Die Platte selber hatte ein ansehnliches Gewicht ließ sich aber trotzdem etwas zur Seite schieben, zumindest soweit, dass er Linda hinausheben konnte. „Warte ein bisschen, ich kratze hier oben den Sand und die Steine weg, dann kannst Du den Deckel von unten leichter aufschieben, sonst kommst Du hier nämlich nicht raus. Selbst in dieser Situation spielte Sie wieder einmal auf Wolfs Umfang an. Mühevoll zog sich Wolf durch die Öffnung ins Freie.